Freitag, 30. November 2018

Jahresabschluss


Bürgermeister Kaiser beim Ehrenamtstreffen

Kampf gegen den Datenschutz, schwierige Wohnraumbeschaffung, Personalmangel, Forderungen nach mehr Disziplin – die Themen beim Jahresabschlusstreffen der ehrenamtlichen Flüchtlingshelfer im Scherer Familienzentrum waren vielfältig, und Antwort kam aus diesmal aus berufenem Mund: Fast eineinhalb Stunden nahm sich Sozialbürgermeister Roland Kaiser mit seinem Team, Fachbereichsleiterin Iska Dürr und Fachgebietsleiter Peter Weingärtner, auf Einladung der Bildungskoordinatorin Svetlana Bojcetic Zeit, sich den kritischen Fragen der Teilnehmer zu stellen.



Zunächst dankte er den Anwesenden für nun schon vier Jahre andauernde Hilfsbereitschaft, die keine Selbstverständlichkeit sei. Er könne es durchaus verstehen, wenn nun allmählich dem einen oder anderen die Puste ausgehe.Davon war im Saal aber nicht die Rede, an die 30 Ehrenamtliche waren zu diesem Abend gekommen. 

Im Jahr 2015 habe man eigentlich nur eine Basisversorgung leisten können, fasste Kaiser zusammen, heutzutage indes befinde man sich in einer Art formaler Sortierungsphase darüber, wer wie begleitet werden müsse. Nicht alles, was im Augenblick politisch aktuell ist, fand seine Gegenliebe, und er machte sich vehement für ein Einwanderungsgesetz stark, das auch im Arbeitsmarktinteresse liege. Er war skeptisch, ob bei der derzeitigen Konstellation im Innenministerium mit raschen Fortschritten gerechnet werden kann.

Aber nicht alles in der Politik sei negativ, meinte er. In Baden-Württemberg zum Beispiel gebe es durchaus positive Signale zu sprachlichen Programmen, beruflicher Qualifizierung, Wohnraum und Gesundheitsfragen. Was ihn aber am meisten beeindrucke, sei, dass der Gemeinderat bei den Abstimmungen zur Integration immer geschlossen zu hundert Prozent zustimme. Das sei in anderen Städten nicht so.

Günstiger Wohnraum für alle sozial Schwachen, nicht nur für die Flüchtlinge, war denn auch ein dringendes Anliegen für ihn. Auch hier sei eine erste Hürde im Gemeinderat genommen worden, außerdem befinde er sich in intensiven Gesprächen mit der GSE, um hier einen Sinneswandel weg vom reinen Geschäftsdenken hin zu sozialen Aspekten zu bewirken.

Die Flüchtlingsunterkünfte allerdings sind dermaßen ausgelastet, dass man keinen großen Spielraum habe, Leute, die Arbeit haben oder in Ausbildung sind und Ruhe zum Lernen brauchen, von jenen zu trennen, die – gerade nach Ablehnung des Asylverfahrens und damit einhergehenden Verlust des Arbeitsplatzes - keinerlei Perspektiven mehr sehen. Bei der Hellhörigkeit der Unterkünfte führt dies in vielen Fällen zu Reibereien. Es wurden schon extra Wohnmöglichkeiten an anderer Stelle geschaffen, doch diese Ruheplätze decken bei weitem nicht den Bedarf. Innerhalb der Unterkünfte gehe es jedoch leider nicht, Ruhezonen zu schaffen.

Auch zum akuten Personalmangel in der Abteilung Leistungen nahm Kaiser Stellung. Der Abbau von 8 auf 1,5 Stellen habe damit zu tun, dass es bis vor kurzem nur einen Schlüssel von 1:150 gegeben habe und die Zahl der Leistungsempfänger von 800 auf 250 gesunken war. Diese benötigen allerdings heutzutage wesentlich komplexere Beratung als noch vor zwei Jahren, so dass es zu großen Belastungen des Personals und langen Wartezeiten der Leistungsempfänger kommt. Mittlerweile sei der Schlüssel aber auf 1:100 angehoben worden und eine zusätzliche Stelle bereits ausgeschrieben worden.
Bei den zum wiederholten Mal vorgetragenen Klagen über Disziplinlosigkeit (beim Putzen) gerade der männlichen Asylbewerber und der Forderung, bei den (erwachsenen) Asylbewerbern eine Art Schulpflicht am frühen Morgen für die ehrenamtlichen Deutschkurse einzuführen, konnte Kaiser allerdings nicht weiterhelfen.

Im Anschluss stellte sich noch Fritz Lambinet als neuer ehrenamtlicher Sprachlehrerkoordinator vor.

Das nächste Ehrenamtstreffen findet am 14. Februar um 18 Uhr statt. An diesem Abend wird sich die neue Ehrenamtsbeauftragte, Ricarda Feurer, vorstellen und es wird der Vortrag über Resilienz nachgeholt. 


 

Montag, 26. November 2018

50 Prozent arbeiten


Die Hälfte der Flüchtlinge arbeitet
Aber es gibt auch große Probleme...

Einen Überblick über die Situation der Flüchtlinge in Baden-Baden gab Leiter des Fachgebiets soziale Leistungen, Peter Weingärtner, heute Abend während der Gemeinderatssitzung im Rathaus. Demnach haben derzeit – wenn man Kinder und junge Mütter abzieht - sage und schreibe die Hälfte der Flüchtlinge bereits eine Arbeit. Und von den anderen befinden sich viele derzeit in Sprachkursen. 

Problematisch ist allerdings die Lage vor allem der Asylbewerber vornehmlich aus den afrikanischen Ländern. Sie erhalten derzeit vermehrt Ablehnungen ihres Asylantrages und dürfen – sofern sie keinen gültigen Pass vorzeigen können – ab dem Tag, an dem sie den Bescheid erhalten, nicht mehr arbeiten.

Das betraf allein in den Monaten Oktober und November 25 Personen. Dies sei ein großes Problem für die Leute, sagte Weingärtner mitfühlend, denn sie fielen regelrecht in ein Loch. Sie hätten, obwohl sie ja gearbeitet haben, keinen Anspruch auf Arbeitslosengeld und müssten zurück in den Bezug von Asylbewerberleistungen (derzeit ca. 320 Euro). Auch könnten sie ab dem Zeitpunkt des Verlust ihrer Arbeit eventuell auch ihre Mietwohnungen nicht mehr finanzieren und müssten zurück in die Massenunterkünfte. „Diese Situation hilft keinem“, stellte Weingärtner fest. Und Oberbürgermeisterin Margret Mergen pflichtet ihm bei: „Hier ist beim Bund Korrekturbedarf gegeben“, mahnte sie. 
 
Insgesamt lebten Mitte November in Baden-Baden 875 Flüchtlinge in städtischen Unterkünften. Diese Zahl sei seit zwei Jahren weitgehend stabil, hieß es. Monatlich kämen ca. fünf Personen neu hinzu.

Von den 875 Flüchtlingen seien 602 Männer und 273 Frauen, stark ansteigend sei die Zahl der Neugeborenen und kleinen Kinder bis zwei Jahre: 86 zählt man im Augenblick, das macht einen Anteil von 22 Prozent aus.

Die größte Gruppe der Flüchtlinge kam aus Syrien, gefolgt von Gambia, Nigeria und Kamerun. Die Menschen aus Syrien, dem Iran, dem Irak, Eritrea und Somalia hätten eine große Bleibeperspektive.

368 Personen befinden sich derzeit noch im laufenden Verfahren und haben daher eine Aufenthaltsgestattung, 400 haben eine Aufenthaltserlaubnis (sind anerkannt) und 107 eine Duldung.

250 Menschen beziehen Geld aus dem Asylbewerberleistungsgesetz, 400 haben Anspruch auf Hartz IV und 245 haben Arbeit.

Die städtischen Unterkünfte haben derzeit eine Auslastung von 90 Prozent. Außerdem leben 33 unbegleitete minderjährige Flüchtlinge in Baden-Baden, die, bis sie 21 sind, über das Jugendamt vom Staat gefördert und sozial betreut werden.




Donnerstag, 22. November 2018

Bürgerkonferenz


Wie wollen wir künftig miteinander leben?
Großer Bürgerworkshop für alle Nationen

Mehr als 120 Nationen wohnen in Baden-Baden. Ende 2016 waren  laut statistischem Landesamt 17,8 Prozent der Bevölkerung Ausländer, Tendenz steigend. Auch die Geflohenen, die vor drei Jahren in die Kurstadt kamen, werden vermutlich zum großen Teil bleiben. Da ist die Frage naheliegend, wie so viele kulturelle Nationen auch in der Zukunft gut miteinander leben können. Hierzu sollen sich interessierte Bürger – aller Nationen – am Samstag, 1. Dezember, Gedanken machen.

Integration braucht Zeit, einen Plan und das Engagement der Einwohnerinnen und Einwohner. Unser Zusammenleben soll von Respekt, gegenseitigem Vertrauen, von Zusammengehörigkeitsgefühl und gemeinsamer Verantwortung geprägt sein, heißt es in einer Presseerklärung der Stadt.

Unter dem Motto „Engagiert zusammenleben in Baden-Baden“ lädt Oberbürgermeisterin Margret Mergen dann von 14 bis 19 Uhr zu der „Bürgerkonferenz“ in die Aula der Realschule ein.




Das Teilnehmerfeld der Bürgerkonferenz soll die Zusammensetzung der Bevölkerung möglichst repräsentativ abbilden. Aus diesem Grund erhalten neben einigen geladenen Gästen 240 Personen, die durch eine automatisierte Abfrage der Einwohnermeldebehörde ermittelt wurden, eine postalische Einladung der Oberbürgermeisterin. Darüber hinaus können und sollen sich möglichst viele interessierte Bürger zur Konferenz anmelden.

Die Anmeldung ist ab sofort bei der städtischen Integrationsbeauftragten, Hanna Panther, unter
Tel.: 07221 93-14 77 8 möglich.

Die Bürgerkonferenz ist Teil des kommunalen Entwicklungsprozesses „Integration durch bürgerschaftliches Engagement und Zivilgesellschaft“ und wird von zwei Moderatoren der Führungsakademie Baden-Württemberg geleitet. Für Getränke und einen Imbiss ist gesorgt.





Als eine von 23 Kommunen landesweit wurde Baden-Baden in das Programm „Integration durch Bürgerschaftliches Engagement und Zivilgesellschaft“  aufgenommen. Das Projekt wird im Rahmen des „Pakts für Integration“ vom Landesministerium für Soziales und Integration mit 40.000 Euro finanziert.

Ziel ist eine ganzheitliche Integrationsstrategie, die von allen Bevölkerungsgruppen, einschließlich Flüchtlingen und Migranten, von Politik und Verwaltung gemeinsam erarbeitet wird. Begleitet wird die Stadt Baden-Baden dabei von der Führungsakademie Baden-Württemberg. In diesem Rahmen finden in nächster Zeit verschiedene Veranstaltungen statt.



Bereits im Oktober hatte eine Gruppe von 25 jüngeren und älteren Bürgern mit und ohne Migrationshintergrund, begleitet von zwei Moderatorinnen der Führungsakademie Baden-Württemberg, relevante Themen aus dem Bereich der Integration identifiziert.
Die Gruppe formulierte zunächst Leitsätze für ein gelingendes Miteinander verschiedener Bevölkerungsgruppen in Baden-Baden. Im Anschluss definierten die Beteiligten, darunter Vertreter von Verwaltung und Gemeinderat sowie zahlreiche ehrenamtlich Engagierte, relevante Themen aus dem Bereich Integration.

Darauf aufbauend sind nun alle Interessierten eingeladen, Vorstellungen und Wünsche einzubringen und sich für ihre Umsetzung zu engagieren. Die gesammelten Projektideen werden bei einer Bürgerkonferenz am 1. Dezember mit allen interessierten Einwohnern diskutiert und weiterentwickelt. 

 

Nach organisatorischer und inhaltlicher Einführung werden die Moderatoren zunächst die Ergebnisse aus der ersten Vorbereitungssitzung präsentieren, dann werden sich die Teilnehmenden in Kleingruppen mit diesen auseinandersetzen (Vertiefung, Ergänzung, usw.)




In einem zweiten Teil geht es um die Entwicklung eines gemeinsamen Zukunftsbildes für Baden-Baden; abschließend werden alle eingeladen, sich für die Arbeit an den verschiedenen Handlungsfeldern in Arbeitsgruppen einzutragen.

Wichtig ist der Integrationsbeauftragten noch darauf hinzuweisen, dass diese Veranstaltung über den engeren Bereich der Flüchtlingshilfe hinausweist: Es gehe um die grundsätzliche Frage, wie wir zusammenleben wollen, betont sie.





Montag, 12. November 2018

Ersthelfer


Margret Mergen besucht Flüchtlingswohnheim
Junge Mütter nehmen an Erste-Hilfe-Kurs teil

Baden-Baden. Oberbürgermeisterin Margret Mergen tauschte sich im Flüchtlingswohnheim „Im Rollfeld 1“ mit Bewohnern und Mitarbeitern aus. Anlass war ein Ersthelferkurs für junge Mütter. Dies teilt die Pressestelle des Rathauses mit.

OB Mergen im Gespräch mit den jungen Müttern beim Erste-Hilfe-Kurs. (Foto: Stadt Baden-Baden)

Insgesamt bot der Arbeiter-Samariter-Bund bisher zwei solcher Ersthelferkurse an, ein dritter Kurs ist vorgesehen. Der erste Kurs war Mitte Oktober im Flüchtlingswohnheim in der Waldseestraße. Gespendet wurden die Kurse durch die Firma Biologische Heilmittel Heel. An den Kursen nahmen zehn bis fünfzehn Frauen teil. Für die teilnehmenden Mütter wurde eine Kinderbetreuung angeboten. Über diese Spende wurden auch schon Ersthelfer-Ausbildungen für Geflüchtete finanziert.

Viele Flüchtlinge können bereits verhältnismäßig gut Deutsch. Im Gespräch mit Mergen sprachen die Bewohner über ihre angestrebten Berufsausbildungen und weitere KiTa-Plätze. Gerade die Familien und Mütter mit Kind oder Kindern wünschten sich weniger beengte Verhältnisse in den Wohnheimen. Für Flüchtlinge, die bereits einer festen Arbeit nachgehen, ist das Finden einer Wohnung nicht einfach.

Derzeit leben in den städtischen Wohnheimen 875 Flüchtlinge, zwei Drittel davon sind männlich. 245 Personen haben Arbeit, rund 230 Personen erhalten Hilfen nach dem Asylbewerberleistungsgesetz und rund 400 Personen erhalten Hilfen über das Jobcenter. Nicht wenige besuchen Deutschkurse in der Volkshochschule oder haben diese samt Integrationskurs bereits abgeschlossen. Anteilmäßig kommen die meisten Flüchtlinge mit 165 Personen aus Syrien, 142 aus Nigeria und 109 aus dem Irak.



Montag, 29. Oktober 2018

Qualifiziert...


Fortbildungsangebot für Flüchtlingshelfer

Baden-Baden. Bei der Unterstützung Geflüchteter werden Ehrenamtliche mit interkulturellen, bürokratischen und sprachlichen Herausforderungen konfrontiert. Die neue Fortbildungsreihe „Qualifiziert.Engagiert.“ unterstützt die Weiterbildung ehrenamtlich Engagierter. Im November startet das erste Semester.

Die angebotenen Veranstaltungen sind nach vier Schwerpunkten unterteilt: Gesellschaftliche Rahmenbedingungen, Kompetenzerweiterung, Selbstfürsorge und Voneinander lernen. Sie richten sich in erster Linie an Ehrenamtliche und am Ehrenamt in der Flüchtlingshilfe Interessierte. Einige Veranstaltungen sind für eine breitere Zielgruppe geöffnet. Dazu zählen zum Beispiel das Argumentationstraining „Kompetent gegen rechte Sprüche“ am 16. November oder der Workshop „Vorsicht kulturelle Falle“ im Februar kommenden Jahres.

Adrian Struch (Caritasverband), Svetlana Bojcetic, Monika Burck (Volkshochschule) und Frank Herzberger (Caritasverband) präsentieren das Programm der Fortbildungsreihe.
Foto: Andrea-Inge Lurtz (vhs)



Alle Veranstaltungen sind kostenfrei. Sie werden durch das Landesprogramm „Integration durch Bürgerschaftliches Engagement und Zivilgesellschaft" gefördert und vom baden-württembergischen Ministerium für Soziales und Integration unterstützt. In Baden-Baden wird das Programm von Vertretern der Volkshochschule, des Caritasverbands und des Netzwerks Asyl unter Leitung der kommunalen Bildungskoordinatorin für das Ehrenamt koordiniert.

Das Programm liegt ab dem 26. Oktober in den Bürgerbüros aus. Darüber hinaus kann es direkt bei der Bildungskoordinatorin, Svetlana Bojcetic, Telefon 07221/93-146 96, angefordert werden. Anmeldungen können ebenfalls direkt an Svetlana Bojcetic gerichtet werden.

Mail: svetlana.bojcetic@baden-baden.de


Folgende Termine bzw. Fortbildungen werden angeboten:

Samstag, 10. November 2018
10 - 13 Uhr, VHS, Raum 15
Haftung im gemeinnützigen Verein - Einführung mit Petra Brodde
Anmeldung bei der VHS erforderlich.

Freitag, 16. November 2018
10 - 17 Uhr, Stadtteilzentrum Briegelacker
Kompetent gegen rechte Sprüche. Handlungs- und Argumentationstraining mit Vorträgen, Rollenspielen und Workshops. 
Anmeldung bei Adrian Struch erforderlich.
Mail: struch@caritas-baden-baden.de


Samstag, 24. November 2018
10 - 13 Uhr, VHS, Raum 10
Steuerrecht für Vereine - Überblick mit Petra Brodde
Anmeldung bei der VHS erforderlich

Mittwoch, 21. November 2018
und Mittwoch, 28. November 2018
18 - 21 Uhr, VHS, Raum 7
Schwierige Gespräche und Konflikte in der Arbeit als Ehrenamtliche meistern - mit Virginia Kyre.
Anmeldung bei der VHS erforderlich.

Donnerstag, 29. November 2018
18 - 20 Uhr, Scherer Familienzentrum, Breisgaustr. 23:
Rund ums Ehrenamt - Treffen der Flüchtlingshelfer, diesmal mit Bürgermeister Roland Kaiser.
Anmeldung bei Frau Bojcetic

Donnerstag, 17. Januar 2019
18 - 20 Uhr, scherer Familienzentrum, Breisgaustr. 23
Was macht eigentlich das Jugendamt? - Überblick, rechtliche Grundlagen, Fallbeispiele - mit Ludwig Herfs 
Anmeldung über Frau Bojcetic.

Mittwoch, 30. Januar 2019 
und Donnerstag, 31. Januar 2019
18 - 21 Uhr, VHS, Raum 7
Mein Tag hat auch nur 24 Stunden - Sebst- und Zeitmanagement für Ehrenamtliche - mit Virginia Kyre
Anmeldung bei der VHS erforderlich.

Samstag, 8. Februar 2019
8.30 bis 17 Uhr, Stadtteilzentrum Briegelacker
Vorsicht kulturelle Falle - Achtsam Begleiten und Unterstützen für Ehrenamtliche UND Flüchtlinge! Auf Deutsch mit englischer Übersetzung. 
Anmeldung erforderlich bei Adrian Struch
Mail: struch@caritas-baden-baden.de

Donnerstag, 14. Februar 2019
18 - 20 Uhr, Scherer Familienzentrum, Breisgaustr. 23
Rund ums Ehrenamt - Treffen mit Frau Bojcetic. Themen: Resilienz und Besuch der kommunalen Ehrenamtsbeauftragten.
Anmeldung bei Frau Bojcetic


 
 





 



Mittwoch, 3. Oktober 2018

in via


Internationalität mit Herz und Verstand
Bei "in via" wird Frauen Mut gemacht

Volles Haus und offene Türen gab es gestern beim Treffpunkt „In Via Puella“ in der Luisenstraße. Im Rahmen der interkulturellen Woche lässt sich die Einrichtung (Trägerschaft: Katholischer Verband für Mädchen und Frauensozialarbeit in der Erzdiözese Freiburg) alljährlich in die Karten schauen, und was man sieht, sind glückliche, selbstbewusste Frauen aus unterschiedlichsten Nationen.




Es sind dies nicht nur geflüchtete Frauen, sondern auch Migrantinnen, die schon länger in Deutschland leben, sich aber nicht so recht aus ihrer Wohnung herausgetraut oder gar auf dem Arbeitsmarkt Fuß gefasst haben. Oft ist die Sprache eine Barriere, oder mangelnde Möglichkeiten der Kinderbetreuung, oder auch fehlen die grundlegenden Fähigkeiten, die man heutzutage im beruflichen Alltag braucht. Viele Baustellen, an denen das In-Via-Team mit Sabine Lang und Franziska Gassenschmidt mit Kompetenz und Herzlichkeit anpackt. 
 
Mehr als ein Dutzend  Nationalitäten kommen in der Wohnung im ersten Stock regelmäßig zusammen, es wird miteinander gesungen, gekocht, geredet, Deutsch (auch mit Kinderbetreuung) gelernt, und da dies dank guter Ausstattung am Computer möglich ist, werden nahezu spielerisch auch gleich die nötigen EDV-Kenntnisse mitvermittelt. 



Sich gegenseitig Mut machen und stärken steht im Mittelpunkt der Arbeit, aber wenn man so in die Runde blickt, die sich gestern zusammengefunden hatte, dann steht der gemeinsame Spaß offenbar an allererster Stelle. Das war auch gestern nicht überhören. "Wir singen ein Lied", ermunterte Gesundheitspädagogin Sabine Lang die Frauen. Und "Bruder Jakob" scheint wohl das internationalste Lied zu sein, das es gibt: Musik kennt keine Grenzen, und so kannte jede Besucherin die Melodie, aber sprachlich gab es ja doch Unterschiede. Jede Nation sang zunächst in der Landessprache - und dann vereinte alle der deutsche Text, in den der ganze Saal lauthals einfiel. Irgendwie klang es so, als sei man erleichtert, eine gemeinsame Sprache zu haben.


Überhaupt herrscht in dem Treffpunkt eine freundliche, familiäre Atmosphäre, eine Art geschützter Raum, in dem die Frauen aus sich heraus gehen und sich zum Beispiel auch trauen, nach vorne zu treten den anderen in großer Runde etwas über das eigene Heimatland zu erzählen. Es muss wohl nicht extra erwähnt werden, dass es auch ausreichend zu essen gab! Spezialitäten aus 15 Nationen – wer kann da schon Nein sagen!


Auch die Kinder laufen hier selbstverständlich mit, es gibt Spiel- und Rückzugsmöglichkeiten, alles passt zusammen.

Und dann die Kunstwerke, auf die man hier so stolz ist! Kürzlich hatte das Burda-Museum Frauen mit Fluchthintergrund zu einer Führung mit anschließendem Kunstworkshop eingeladen, und man hatte das Angebot in einer großen Gruppe samt Kindern angenommen. Jetzt hängen die Werke an den Wänden des Treffpunkts und an zusätzlichen Stellwänden, weil es so viele sind.

 
Vor allem auf den Erfolg von zwei Projekten ist man in der Einrichtung stolz, weil beide einen sehr guten Zulauf haben: Das eine heißt "Dounia" und bietet geflüchteten Frauen eine allererste Begegnung und Orientierung. Gerade Frauen leben kurz nach ihrer oft traumatischen Flucht oft noch in großer Furcht, und „in Via“ bietet ihnen niederschwellig Hilfe an, sich in kleinen Schritten in das nähere soziale Umfeld zu integrieren. 

Wenn sie dann bereit sind, über den Tellerrand zu blicken, können sie weiterführende Angebote von "MiA plus" annehmen wie zum Beispiel ein Sprachcafé, Unterstützung bei der Bewerbung auf einen Arbeitsplatz, überhaupt berufliche Orientierung, und eben auch PC- und Bewerbungstraining, bis hin zur Vermittlung von Praktika. Alle Angebote sind an die Erwartung geknüpft, dass die Frauen auch selber aktiv werden, regelmäßig mitarbeiten und Verantwortung übernehmen und sich eben auch in die betrieblichen Erprobungen trauen. 
 
Wie gut den Frauen der Weg in die persönliche Selbständigkeit tut, war bei der Stippvisite gestern zu beobachten. In diesem Sinne: Viel Erfolg weiterhin und bis zum nächsten Jahr bei der interkulturellen Woche! 



 

Samstag, 29. September 2018

Café international - Ende


Fröhliches Abschiedsfest
für das Café international




Aus – Ende – vorbei! Oder anders ausgedrückt: Ziel erreicht! Zum Abschluss des Cafés international war der Bonhoeffersaal noch einmal voll, aber die Zahl der Gäste konnte nicht darüber hinwegtäuschen, dass das Leben ein Fluss ist und somit auch die Integration der einstigen „Flüchtlinge“ voranschreitet. 



Zu Beginn, während der heißen Zeit des Ankommens, war das Café, das die evangelische Stadtkirchengemeinde initiiert hatte und mit Manfred Bender an der Spitze sowie mit einem großen Team Freiwilliger unermüdlich jeden Freitag betreut wurde, ein willkommener Anker und auch eine wunderbare Drehscheibe zum gegenseitigen Kennenlernen, so wandelte sich der Sinn und Zweck der Begegnungen im gleichen Maße, wie aus Flüchtlingen Mitbürger wurden. War es einst für die neu Angekommenen wichtig, sich in der Stadt und in der fremden Kultur zurechtzufinden und Freunde und Haltepunkt zu finden, so wurde es bald zum Treffpunkt für erste sprachliche Gehübungen, dann Kummerkasten, aber auch willkommene Gelegenheit, den beengten und ungemütlichen Wohnverhältnissen am Stadtrand einmal zu entrinnen und gute Stimmung zu tanken. 


 
Die Ehrenamtlichen lernten, dass man auch ohne Alkohol fröhlich sein kann, und dass Sahnetorten eher argwöhnisch beäugt wurden, Pizza, Obst und Teigteilchen dagegen umso reißenderen Absatz fanden.
Das Café international entwickelte sich schnell zu einem beliebten Freitagstreff für Menschen wirklich aller Nationen. Auch wenn man nicht immer am selben Tisch saß, sondern es schon allein wegen der Sprache einfacher war, in Heimat-Runden zu sitzen, so war man doch unter einem Dach und in einem Raum versammelt, und an jedem Tisch gab es genügend deutsche Ansprechpartner, die für alle Fragen und Sorgen ein offenes Ohr hatten.

Knallvoll und entsprechend laut war es oft, der Tischkicker war dicht umlagert, oft verstand man sein eigenes Wort nicht. Weihnachten 2015 packte das Team 80 kleine Päckchen – und sie reichten nicht aus...
Immer beliebt und lehrreich: Die „18-Uhr-breaks“, Pausen, in denen man etwas lernen konnte. Über die Feiertage in Deutschland beispielsweise, aber auch über Gleichberechtigung oder die komplizierten Verfahrensabläufe unseres Asylrechts.
Und dann begann das, was alle ja angestrebt hatten: die „Schützlinge“ wurden flügge: Sie kamen in Deutsch-Kurse, fanden Arbeit oder Ausbildung, manche Glückliche sogar Wohnungen. Sie gründeten Familien oder ihre Unterkünfte wurden mal hierhin mal dahin verlegt. Das reine Frauencafé, das irgendwann dem gemischten Café vorgeschaltet wurde, damit sich auch traumatisierte Frauen einmal aus ihren Unterkünften trauten, um sich eher traditionell unter sich auszutauschen, konnte irgendwann eingestellt werden, weil die Frauen sich offenbar emanzipiert hatten und der Bedarf nicht mehr gegeben war. 
 
Der Bus, der einige von ihnen weit abseits am Stadtrand einsammelte, wurde weniger frequentiert, dann gab er, regelrecht symbolhaft vom Zeitpunkt her, den Geist auf und wurde nicht mehr ersetzt. Und so mehrten sich die Zeichen der Veränderung, des Loslassen, des Abschiednehmen.



Das nahmen Team und Gäste gestern anlässlich der interkulturellen Woche mit gewohnter Leidenschaft an. Sie feierten den dritten Geburtstag und boten noch mal alles auf, was kulinarisch möglich war -  übrigens mit einem weinenden und einem lachenden Auge, denn bei aller Freude war es natürlich extrem anstrengend gewesen, drei Jahre lang jeden, aber wirklich jeden Freitag bereitzustehen. Damit ist nun Schluss, es müssen sich neue Beschäftigungen und Hobbys gesucht werden! So wurde es also kein Trauermarsch, sondern ein fröhliches Fest. Es wurde diskutiert, gesungen, gelacht, umarmt – und stolz wurden auch die ersten in Deutschland geborenen Babys herumgereicht.




Oberbürgermeisterin Margret Mergen (hier im Gespräch mit Manfred Bender und Alaa aus Syrien) ließ es sich nicht nehmen, der großen Abschiedsfeier beizuwohnen. Manfred Bender, Herz und Leiter des Cafés, hätte auch gerne seine rechte Hand Joseph aus Syrien begrüßt, doch dieser konnte ausgerechnet gestern nicht kommen: Ein Unfall hatte ihn ausgebremst. Immerhin – auch das beispielhaft für den Fortschritt der Integration: Der ehemalige „Flüchtling“ hat inzwischen eine Ausbildung und den Führerschein gemacht, und arbeitet als LKW-Fahrer und ist sehr glücklich, weil er nach langen, schweren Jahren des Bemühens seit kurzem auch seine Frau und seine Kinder bei sich hat. Endlich! Auch die Wohnungsfrage hat sich für ihn gelöst, und zwar ganz, wie es sich gehört: Durch Paten, die er im Café international kennengelernt hatte. 


 

Diese Kontakte sind es auch, die Wesen und Ziel des Cafés waren. Manfred Bender brachte es in seiner Ansprache auf den Punkt: Während Sozialarbeiter bei ihrer Arbeit mit den Flüchtlingen nie die professionelle Distanz verlieren und keine Freundschaften aufbauen dürften, seien gerade persönliche Beziehungen Sinn und Zweck des Ehrenamts. Und diese Freundschaften sind beileibe keine Einbahnstraße, es ist ein gegenseitiges Geben und Nehmen und Ergänzen. Oder, wie Manfred Bender es nannte: „Ein Kollateralgewinn fürs Leben“.

Die Betreuung geht natürlich weiter, sei es in der Schule oder am Arbeitsplatz oder durch die gewonnenen deutschen Freunde - und natürlich auch durch das Diakonische Werk, das, so betonte Bender, auch weiterhin immer für die Sorgen und Nöte der Migranten da sein werde.