Freitag, 20. November 2015

Integrationszentrum


Pilotprojekt "Arbeit für Flüchtlinge" in Baden-Baden:
Karlheinz Kögel finanziert neues Integrationszentrum 

Dank großzügiger Unterstützung des Baden-Badener Unternehmers und Mäzens Karlheinz Kögel kann die Stadt Baden-Baden ab sofort ganz neue, einmalige Wege in der Integration der Flüchtlinge gehen. Wie Oberbürgermeisterin Margret Mergen gestern in einer Pressekonferenz mitteilte, finanziert Kögel für die nächsten zwei Jahre ein Integrationszentrum, das sich um Ausbildung und Arbeit der Asylbewerber kümmern wird. Hunderttausend Euro spendet Kögel pro Jahr für Sach- und Personalkosten, die Stelle eines Integrators wird morgen in den Zeitungen ausgeschrieben. Man hofft, die Stelle alsbald besetzen zu können.


von links: Rainer Hampp, OB Margret Mergen, Karlheiz Kögel, Bürgermeister Michael Geggus


Aufgabe des Integrators wird sein, zusammen mit jedem einzelnen Flüchtling dessen ganz persönlichen Berufsweg zu erarbeiten und zu kontrollieren. Gleichzeitig werden die notwendigen Kontakte zu Arbeitgebern, zur Industrie- und Handelskammer, zur Handwerkskammer, zur Arbeitsagentur und zum Jobcenter vermittelt.

An die 800, überwiegend junge männliche Asylbewerber leben derzeit bereits in der Stadt, sagte OB Mergen, und viele von ihnen haben eine hohe Wahrscheinlichkeit, anerkannt oder geduldet zu werden, also für eine lange Zeit bleiben. Sehr viele von ihnen seien sehr daran interessiert, in Arbeit zu kommen, das Jobcenter kümmert sich allerdings erst um sie, wenn ihr Asylverfahren positiv abgeschlossen ist. Dies kann bis zu zwei Jahre dauern. So lange will man in der Stadt nicht warten. Sobald sie die Sprache gelernt haben, will man die Flüchtlinge nun zügig in Arbeit vermitteln.

Hier soll der Integrator/die Integratorin einsetzen: Er/sie soll – wie es im Augenblick schon die Ehrenamtlichen in vielen Fällen übernehmen – mit jedem interessierten Flüchtling eine Situationsanalyse vornehmen, den Stand der schulischen und beruflichen Ausbildung der Flüchtlinge in ihren Herkunftsländern dokumentieren, Sprachkenntnisse erheben sowie Motivation und Wunschvorstellungen der Betroffenen erfragen. Voraussetzung dazu ist natürlich, dass die Flüchtlinge ausreichend deutsche Sprachkenntnisse haben. Hierfür sorgt inzwischen die Volkshochschule in vorbildlicher Weise, siehe Bericht von gestern => KLICK

Karlheinz Kögel erklärte, wie es spontan zur Idee seines Engagements gekommen war: Eigentlich habe er bei einem Mittagessen beschlossen, einfach irgendwo einen weißen Container als Anlaufstelle für die Vermittlung der arbeitswilligen Flüchtlingen aufzustellen. Dann aber habe er lernen müssen, dass dies angesichts der gründlichen deutschen Bürokratie so einfach nicht geht. Dennoch ließ ihn die Idee nicht los, den Schutz suchenden Menschen neben einem Leben in Sicherheit und Frieden auch das Grundrecht auf Arbeit zu ermöglichen: "Wir haben die Not doch direkt vor unserer Haustür", begründete er sein Engagement. In enger Zusammenarbeit mit OB Mergen sei nun ein praktikables Konzept erarbeitet worden, über das er sich freue.

Bürgermeister Michael Geggus, der für die Flüchtlingsfragen zuständig ist, bezeichnete dieses Geschenk als märchenhaft. Für jeden einzelnen könne nun ein ganz persönlicher Berufs- und Integrationsplan erstellt werden. Damit dieser Plan zum gewünschten Erfolg führt, hat man den ehemaligen ehrenamtlichen Geschäftsführer des Gründerzentrums, Rainer Hampp, als „Senior-Advisor“ gewinnen können. Er wird dem Integrator bei der Erarbeitung des Konzepts, dem Profiling der Asylbewerber sowie beim Aufbau einer funktionalen Struktur zur Seite stehen und die erforderlichen Kontakte zur Wirtschaft und zu den Kammern herstellen.

Die Grundlagen dafür hat Oberbürgermeisterin Margret Mergen bereits gelegt, sie brachte gestern eine Liste von 16 Firmen aus der Region mit, die an einer Zusammenarbeit interessiert sind und Stellen schaffen beziehungsweise anbieten möchten und so bei der Integration aktiv mithelfen wollen.

Wenn wir 20 bis 30 Prozent der Asylbewerber auf dieser Weise in Arbeit vermitteln könnten, wäre das sensationell,“ gab sie das ehrgeizige Ziel vor. Bundesweit liege der Durchschnitt im Augenblick bei sieben Prozent. Das Baden-Badener Modell sei – nach ihrem Wissen – zumindest im südwestdeutschen Raum einmalig. 

Bis das Integrationszentrum besetzt wird, liegt es vorerst weiterhin an den Ehrenamtlichen, die Lebensläufe, Vorbildungen und Berufswünsche der Flüchtlinge aufzunehmen und geeignete Arbeitgeber anzusprechen. Der Integrator wird auf ihre Erhebungen zurückgreifen.

Einen Leitfaden für die ehrenamtlichen Arbeitsvermittler finden Sie hier => KLICK