Freitag, 1. April 2016

Digital Helpers


 20 Computer für Spracherwerb und Bewerbungsschreiben


"Liebe Initiative Flüchtlingshilfe für Baden-Baden, haben Sie Interesse an einem alten Computer inkl. Monitor und Betriebssystem? Gerne würden wir Ihnen kostenlos diese Geräte spenden. Wir sind die soziale Organisation Digital Helpers, welche von Unternehmen aussortierte Computer an sozial Bedürftige bzw. ehrenamtliche Vereine spendet. Zur Zeit haben wir 20 Computer (Workstation) auf Lager sowie 50 Monitore (15 Zoll). Diese würden wir gerne schnellstmöglich weiter spenden. Sollte Interesse bestehen, bitte melden Sie sich, damit wir eine Übergabe der gewünschten Geräten organisieren können.“




Mit diesen Sätzen begann alles: Am 21. Januar meldete sich Eva-Maria Poerters von den "Digital Helpers" über Facebook bei den ehrenamtlichen Flüchtlingshelfern in Baden-Baden, und zunächst waren alle vollkommen überrascht. Wer waren diese "digital helpers"? Meinten sie es ernst mit diesem großzügigen Angebot? Nun, das war schnell geklärt: => KLICK


 


Eva-Maria Poerters umschreibt das Projekt so: "2012 wurden die Digital Helpers von vier Münchner Studenten gegründet. Wir wollten helfen, dass möglichst viele Hilfsbedürftige Zugang zu PCs bekommen." Grundidee war, Unternehmen anzuschreiben, die in der Regel alle drei Jahre ihre Computer austauschen. Solche ausrangierten Rechner sind oft noch in einem sehr guten Zustand, deshalb kam die Idee auf, sie abzuholen, aufzuarbeiten (vor allem: alle Daten zu löschen) und diese dann an Menschen weiterzugeben, die sich schlicht einen Computer nicht leisten können. Chancengleichheit für sozial Schwache steht im Vordergrund, im Augenblick sind dies vor allem Flüchtlinge, die einen großen Bedarf haben.

Als man mit dem in Baden-Baden ansässigen Unternehmen "arvato Financial Solutions" in Kontakt trat, war schnell klar, dass die von dieser Firma gespendeten PCs in Flüchtlingsheime vor Ort gehen sollten. Wie arvato Financial Solutions-Personalchef Dr. Kai Burr sagte, spende die Firma regelmäßig gebrauchte PCs. Bei über 10 000 Mitarbeitern in 22 Ländern an 46 Standorten habe man bereits große Erfahrung damit. 

In Baden-Baden, wo die Firma berufliche Kontakte in 20 verschiedenen Sprachen pflege, habe man übrigens auch bereits zehn Praktikantenstellen speziell für Flüchtlinge geschaffen und passende Bücher erworben, damit die Flüchtlinge ihre Deutschkenntnisse weiter verbessern können. Ziel ist es, sie fit zu machen, damit sie sich möglich bald eigenständig auf geeignete Arbeitsplätze bewerben können.

Mehr über die Flüchtlingsprojekte von arvato Financial Solutions finden Sie hier => KLICK

Mehr über die ebenfalls über die Firma arvato Financial Solutions unterstützte online-Plattform "Refugee Favorz", über die kürzlich an dieser Stelle berichtet wurde, finden Sie hier => KLICK

Organisatorisch brachte das großzügige Angebot die haupt- und ehrenamtlichen Flüchtlingshelfer Anfang des Jahres zunächst kurz ins Schwitzen. Wie und wo nutzt man die PCs am besten?, war die erste Frage. Und wie bei einem rundum-sorglos-Paket hatte Eva-Maria Poerters gleich Vorschläge parat, bot an, sich um freies WLAN via Telekom, Freifunk o.ä kümmern und schlug vor, sodann eine Ausschreibung an Universitäten starten, um Freiwillige zu finden, die gerne Programmierkurse durchführen wollen würden oder andere Weiterbildungen anbieten könnten... 

Doch inzwischen hat man in Baden-Baden natürlich für alles eine Lösung gefunden: Dank einer großzügigen Spende des Baden-Badener Unternehmers Karlheinz Kögel werden alle größeren Flüchtlings-Unterkünfte in sehr naher Zukunft mit Internet und freiem W-Lan ausgestattet. Sobald auch die räumlichen Vorbereitungen abgeschlossen sind - zum Beispiel müssen Steckdosen nachgerüstet werden - werden die 20 Computer auf die Unterkünfte verteilt. Dort sollen sie den Spracherwerb unterstützen und beim Schreiben von Bewerbungen eingesetzt werden - was übrigens gleich die nächste Frage aufwirft, denn es wurde zwar dankenswerterweise auch ein Drucker mitgeliefert, aber eben nur einer... Weitere zwei, drei gespendete Drucker wären sehr willkommen!

Gestern wurden die Computer im Zentralen Verwaltungsgebäude für Asylfragen in der Rheinstraße 111 angeliefert, wo sie bis zur endgültigen Verteilung zwischengelagert werden




Bürgermeister Michael Geggus dankte bei dieser Gelegenheit Digital Helpers und Arvato Financial Solutions für die sicher früchtetragende Unterstützung: „Ich freue mich, dass eine Baden-Badener Firma Flüchtlinge auf diese Weise unterstützt. Das ist beispielhaft, was da geleistet wird, genauso wie der beeindruckende Einsatz von Digital Helpers. Denn wir alle wissen, dass das Erlernen der deutschen Sprache die Grundlage ist, wenn man hier Fuß fassen möchte.“ In diesem Zusammenhang wies Geggus darauf hin, dass viele Flüchtlinge am liebsten sofort Geld verdienen wollten. Es sei im Augenbklick oberste Aufgabe ihnen klarzumachen, dass sie, um längerfristig Fuß fassen zu können, erst die Sprache erlernen müssen und sich dann nach einer fundierten Arbeit oder Ausbildung umsehen sollten. "Mit einfachen Jobs ist es nicht getan." 

"Ankommen - fördern - eingliedern", laute daher auch die Devise der Firma arvato, betonte Kai Burr, und die städtische Integrationsbeauftragte Svetlana Bojcetic ergriff die Gelegenheit sofort beim Schopfe: Ob man denn eventuell Verwendung habe für einen jungen Flüchtling, der bereits einige Computerkurse absolviert habe und sich gut auf Deutsch und Englisch verständigen könne, fragte sie während des Übergabetermins. Der junge Mann interessiere sich für ein längerfristiges Praktikum mit anschließendem Ausbildungsplatz. Und wie es in Baden-Baden so oft geht, fiel die Antwort kurz und gut aus: "Schicken Sie ihn vorbei". Besser geht es nicht!
 

vlnr.: Kai Burr, Personalleiter arvato Fiancial Solutions, Bürgermeister Michael Geggus, Eva-Maria Poerters von Digital Helpers und die städtische Integrationsbeauftragte Svetlana Bojcetic
 
Vor ein paar Wochen gab es bereits einen Auftrakt für die Aktion: Da rückte Eva-Maria Poerters (rechts) zusammen mit ihrer Kollegin Alexandra Baumgart (2. v. links) zum ersten Mal in Baden-Baden an und brachte fünf gebrauchte, gereinigte und betriebsbereite Laptops mit. Diese wurden in enger Zusammenarbeit mit ehrenamtlichen Flüchtlingshelfern inzwischen an sehr glückliche neue Besitzer übergeben, hier zwei von ihnen, Anthonia Udora aus Nigeria, die den Laptop für den Deutsch-Unterricht verwenden möchte, und Zorig Lkhagvasuren (links) aus der Inneren Monoglei, der in seiner Heimat bereits zwei Jahre Informatik studiert hatte.




Die vier Studenten aus München haben übrigens bundesweit schon mehr als 800 wiederaufbereitete PCs weitergeben können. Weitere Gerätespenden werden gerne entgegengenommen!
Mehr Informationen finden Sie auf ihrer Webseite => KLICK