Dienstag, 21. Juni 2016

Rumba


Uno – dos – tres.... Rrrrumba!

Einmal die Woche, immer freitags, gibt die junge Argentinierin Maria Magdalena Barboza im Gymnastikraum der Volkshochschule den Ton ihrer Heimat an und lässt eine Handvoll junger Männer tanzen. Männer von weit her, hauptsächlich aus dem arabischen Raum. Sie sind mit Feuereifer bei der Sache. Kaum erklingt die flotte Musik, hüpfen sie und springen, reißen im Takt die Arme hoch... und vergessen für eine Stunde alles, was hinter ihnen und was noch vor ihnen liegt: Krieg, Flucht, Heimweh, Hoffnung auf Anerkennung, Sorge um die Familie... 
 



Ich weiß, wie schwierig der Anfang in Deutschland ist“, seufzt Maria Magdalena Barboza. „Ich war ja vor zwei Jahren in der gleichen Situation.“ Mit einem Unterschied: Sie kam nach Baden-Baden der Liebe wegen. Aber Sprache und berufliche Anlaufschwierigkeiten waren dieselben Hürden, die auch Flüchtlinge meistern müssen.




Die studierte Rechtsanwältin hätte zum Beispiel gern noch einmal studiert – aber die Kita-Zeiten gaben der jungen Mutter keine Chance. Da sie in Argentinien auch einen Bachelor in Kunst gemacht und im Nebenjob als Dozentin an einer Kunstschule und am Gymnasium unterrichtet hatte, entschloss sie sich, in Deutschland ganz auf das Fach Erzieherin umzusatteln – und erhielt im Handumdrehen einen Ausbildungsplatz im Scherer-Familienzentrum. Samt Kinderbetreuung. Das gab ihr nun die nötige Rückenfreiheit, um eine Idee aufzugreifen, die die Leiterin der Volkshochschule, Monika Burck, kürzlich in den Raum stellte: Bewegungskurse für Flüchtlinge.

Maria Magdalena Barboza sprang sofort auf den Zug auf, als sie davon hörte. „Ich weiß, wie man sich am Anfang hier fühlt. Und dass man Spaß und sportliche Aktivität braucht!“ So gedieh die Idee zu einem – kostenlosen – Kursus „Rumba für Flüchtlinge“. Ursprünglich war der Kurs für Männer und Frauen gedacht, aber es meldeten sich nur Männer an, auch ein deutscher Nachbar einer Unterkunft ist übrigens dabei. 




Viele Teilnehmer seien es am Anfang gewesen, sagt die Tanzlehrerin, im Augenblick allerdings bröckelt die Zahl, und das hat seinen Grund: Es ist Ramadan, viele gläubige Moslems dürfen während des Tages nichts essen und auch keinen einzigen Schluck trinken. Da ist körperliche Anstrengung natürlich besonders beschwerlich. Diejenigen, die trotzdem da sind, lassen sich nun aber nicht länger aufhalten und machen sich bereit: Uno, dos, tres...