Donnerstag, 4. August 2016

Tannenhof


Mokassins sind erst der Anfang

Mokassins sind ja nicht unbedingt traditionelle Fußbekleidungen für Menschen in Eritrea, Kamerun oder dem nahen Osten. Aber ohne lange nachzudenken und mit großer Vorfreude folgte mehr als ein Dutzend Frauen aus verschiedenen Flüchtlingsunterkünften in der Stadt der Einladung von Tannenhof-Betreiberin Margret Henn, in ihrem Hotel einen Nachmittag lang genau diese Art von Schuhen per Hand herzustellen. 



 
Der große Konferenzsaal hatte sich in eine Lederwerkstatt verwandelt, auf einer Seite lag malerisch ein ganzer Berg von Lederstücken, auf der anderen säuberlich eine Ansammlung von vorgeschnittenen Einzelteilen samt Schnittmustern für die passenden Schuhgrößen.






Nadeln, Faden, Locher und natürlich – der Nachmittag sollte ja einen Doppelnutzen haben – kleine Vokabel-Kärtchen mit den deutschen Begriffen lagen parat. Alles war liebevoll vorbereitet.



Natürlich gab es auch einen Imbiss, vor allem aber jede Menge Spaß und Kreativität, auch wenn es anfangs großes Staunen gab, und die Gastgeberin drei Stunden lang alle Hände voll zu tun hatte, um überall einzugreifen, wo es nicht weiterging oder Fragen aufkamen. 




So ganz konnte man sich zunächst gar nicht vorstellen, wie aus den einzelnen Teilen tatsächlich Schuhe entstehen sollten – aber je weiter der Nachmittag voranschritt, umso mehr nahm alles Gestalt an.




Leider wurde die Zeit zu knapp, aber auch das war für die engagierte, gut gelaunte Chefin kein Problem. „Dann lassen Sie alles hier, und wir machen in zwei Wochen weiter“. Ein Vorschlag der dankbar aufgegriffen wurde. 



 
Und damit nicht genug. Einmal im Monat ist nun solch ein Unterkunfts-übergreifender Kreativ-Nachmittag geplant. Margret Henn, die ja selber gern mit Nadel und Faden umgeht und gelernte Drogistin ist, hat den Kopf voller Ideen: Man könnte gemeinsam Seifen herstellen, Schmuck basteln und sogar Taschen und Rucksäcke nähen, schlug sie vor. Der Fantasie sind keine Grenzen gesetzt, und die Frauen griffen die Vorschläge dankbar auf.




Auch die ehrenamtlichen Betreuerinnen, die Fahrdienst und Kinderbetreuung übernommen hatten, kamen auf ihre Kosten. „Endlich Schuhe in meiner Größe“, lachte eine von ihnen und machte sich sofort daran, ein Exemplar in Größe 41 zu fabrizieren. 



Das hat Spaß gemacht“, strahlte Margret Henn am Ende des viel zu kurzen Nachmittags zufrieden. Genauso habe sie sich das vorgestellt: Dass „diese kraftvollen Frauen, die so viel auf sich genommen haben, um hierher zu kommen“, ihre eigenen Schuhe herstellen können, das sei ihr ein echtes Anliegen gewesen - mit Symbolkraft übrigens: „Jetzt können sie auf eigenen Füßen stehen!“, freute sie sich. Die Frage nach dem Grund für ihr großartiges Engagement war schnell beantwortet: „Mir geht es gut, ich wollte etwas zurückgeben.“ Und gerade vor diesen Frauen habe sie große Hochachtung: „Was die geleistet haben, ist doch unglaublich.“




Die Freude, die den Frauen am Ende des Nachmittags ins Gesicht geschrieben stand, war sicherlich Belohnung genug für die Gastgeberin, dennoch: Jemandem Zeit, Ideen und Anerkennung zu geben, ist nicht selbstverständlich. Insofern: Vielen Dank für dieses großherzige Geschenk!