Montag, 3. Oktober 2016

Adler - Helfer


Anschlussunterbringung - ein neues Leben

Was für ein Unterschied! Wer als Flüchtling in der Westlichen Industriestraße wohnt(e), hat regelmäßig einen Sozialarbeiter und einen Hausmeister als Ansprechpartner für Probleme, wird mit ehrenamtlichem Sprachunterricht und weiteren freiwilligen Aktivitäten beschäftigt. Das ändert sich, sobald jemand entweder 24 Monate in Baden-Baden lebt oder eine Anerkennung als Flüchtling erhalten hat: Dann geht es in die sogenannte Anschlussunterbringung, mit mehr Platz aber auch neuer Umgebung. Und das kann gut, aber auch anstrengend sein.

Das erleben seit kurzem 29 ehemalige Bewohner der Westlichen Industriestraße, die eines Tages ihre Habseligen packen und in das ehemalige Hotel Adler in Oos umziehen durften. Unheimlich war es manchen zunächst, die verhasste und extrem beengte, aber immerhin vertraute Umgebung zu verlassen. Unterschiedliche Zimmer stehen ihnen im Adler zur Verfügung, und da hieß es erst mal zu lernen, keine Vergleiche anzustellen, um erst gar keine Neiddebatte aufkommen zu lassen. 
 



Was die neuen Bewohner aber sofort besonders schätzen lernten, ist die Nähe zu Bahnhof, Bus und Einkaufsmöglichkeiten, zum sozialen Leben schlechthin – und zu netten Nachbarn. Diese, zurzeit vornehmlich aus dem Kreis der Kolpingfamilie, stehen mit offenen Armen da, um ihre neuen Ortsmitglieder aufzunehmen und den letzten Schritt in die Integration so reibungslos wie möglich gelingen zu lassen.
Denn anders als in einer Gemeinschaftsunterkunft können die Bewohner einer „Anschlussunterbringung“ wie dem Adler meist schon gut deutsch, haben oft bereits eine Arbeit, wissen, wo die zuständigen Ärzte erreichbar sind und wie das Alltagsleben in Deutschland so tickt. Entsprechend wird nun auch die Hilfe der ehrenamtlichen Flüchtlingshelfer und der Sozialarbeiter heruntergefahren. Aber ganz ohne geht es natürlich von einem Tag auf den anderen nicht.

Das sehen auch die Nachbarn so, und deshalb haben sie sich zu einem kleinen Helferkreis zusammengeschlossen und bieten ganz behutsam noch einiges an Unterstützung an. Eine regelmäßige Zusammenkunft, um sich bei Tee und Gebäck kennenzulernen, steht ganz oben auf dem Programm, nachdem ein erster Antrittsbesuch kürzlich schon positiv ausfiel.

Wie und was man konkret tun und anbieten kann, besprachen die Helfer bei einem Treffen letzte Woche unter Leitung von Katharina Thomas im Gemeindesaal von St. Dionysius.



Erste Anstrengungen, Deutschkurse zu organisieren, wurden zurückgestellt, da die Sprachstruktur der 29 Bewohner sehr unterschiedlich ist. Wohl aber wird ihnen geraten, sich – egal auf dem Deutsch-Level sie sich bewegen – bei der Volkshochschule zu einem Einstufungstest zu melden. Dort könne man ehesten Menschen mit gleichem Sprachniveau zusammenführen, urteilte die immer noch (seit einem Dreiviertel Jahr!) inoffizielle Ehrenamtskoordinatorin Katharina Thomas.
Wichtig sei die Leute nun direkt zu fragen, welche Hilfe sie brauchen. Von Seiten der Stadt gebe es kein Konzept für die Sozial- oder Ehrenamtsarbeit in einer Anschlussunterbringung, hieß es. Bisher habe es eine tägliche Betreuung gegeben, ab sofort komme auch die Sozialarbeiterin nur noch ab und zu vorbei.

Helfer aus der Westlichen Industriestraße warteten – quasi als Übergabegeste – mit ein paar Tipps auf, was ihre ehemaligen Schützlinge vermutlich am meisten brauchen:
Da sie oftmals arbeiten, wäre ein „helpdesk“ am Abend eventuell hilfreich.
Café Kontakt funktioniert erfahrungsgemäß später besser als gleich um 14 Uhr, wenn viele noch ihr Mittagessen kochen.
Viele brauchen Unterstützung dabei, ihre Unterlagen besser zu ordnen.
Jetzt ist ein guter Zeitpunkt, die Menschen eventuell in Vereine zu vermitteln.
Ein schwarzes Brett für alle wichtigen Informationen ist hilfreich, da es ja nicht mehr täglich eine zentrale Ansprechperson gibt.

Dem neuen Adler-Kreis wurde aber auch schnell klar:
Wir müssen nicht jedem helfen.
Wir müssen nicht an jeder Tür klopfen.
Oft ergeben sich aus ersten Kontaktaufnahmen dann weiterführende Einzelberatungen.
Aber auch ganz profane Dinge sollten geklärt werden, die ein Bewohner alleine eben nicht bewerkstelligen kann, so zum Beispiel das leidige, aber so außerordentlich wichtige Thema W-Lan für alle im Haus.
Auf lange Sicht wird im Helferkreis jemand gebraucht, der sich für die Organisation und Vertretung nach außen verantwortlich fühlt.

Die nächste Zusammenkunft der Helfer findet (siehe Aktualisierung statt, weitere Interessenten sind herzlich willkommen. 

Aktualisierung: Das Treffen findet am Mittwoch, 19. Oktober, um 19.30 Uhr im Fachbereich Bildung und Soziales, oranges Gebäude im Gewerbepark Cité (Nebeneingang) statt. 

Kontakt:
Sabine Truar
Mail: sabine.truar@kath-baden.de