Donnerstag, 13. Oktober 2016

Schussbach - Kindergarten


Bald werden in der Schussbach wieder Koffer gepackt

Einstimmig hat sich gestern der Jugendhilfeausschuss dafür ausgesprochen, die Flüchtlingsunterkunft in der Schussbachstraße demnächst in einen Kindergarten umzuwandeln. (Der Alternativvorschlag im Rollfeld Nähe Mömax hinterm Bahnhof fand keine Zustimmung.) 



Fünf Gruppen, insgesamt 70 Kinder könnten dort - unter Trägerschaft der Stadt - betreut werden, auch an einen Spielplatz und Parksplätze ist gedacht worden. Hierzu müsste das Gelände terrassiert werden. Der Boden ist zwar mit Benzoapyren (dazu Wikipedia => KLICK) belastet, eine Gefährdung der Kinder sei aber gänzlich ausgeschlossen, hieß es. Satte 1,2 Millionen Euro muss die Stadt für kindgerechten Umbau und die Außenanlagen in die Hand nehmen.




Von der Maßnahme wären 29 jetzige Bewohner der Unterkunft betroffen, manche von ihnen sind gerade erst vor zwei, drei Wochen dort eingezogen, weil die Schussbach eigentlich Anschlussunterbringung (größere Zimmer für anerkannte Flüchtlinge bzw. solche, die länger als 24 Monate in Baden-Baden leben) sein sollte. Das hat sich damit erledigt, und nun heißt es für sie bald (die Arbeiten könnten noch im Winter beginnen) wieder Koffer packen und weiterziehen. 

Davon ist natürlich auch die Arbeit der ehrenamtlichen Flüchtlingshelfer betroffen. Der Freundeskreis Schussbachstraße hat deshalb beschlossen, sich aufzulösen. Allerdings wird natürlich bei Bedarf die Arbeit mit einzelnen Bezugspersonen fortgeführt.


 
Der Unmut der Bewohner über die in Aussicht gestellte erneute Umverteilung hält sich übrigens in Grenzen, denn es wurden ihnen Zimmer im ehemaligen Schwesternwohnheim in der Frankenstraße in Aussicht gestellt, und diese haben zum Teil sogar eine eigene Nasszelle. Die jetzigen Bewohner der Frankenstraße werden zurzeit schon auf andere Unterkünfte im Stadtgebiet verteilt, die ebenfalls neu umsortiert werden.
Hört sich wie ein kompliziertes Karussell an, ist es auch. Stadträtin Dr. Ingrid Kath (CDU) fragte daher, ob die Stadt denn ein Konzept für die Anschlussunterbringungen hat. Immerhin werden demnächst immer mehr Flüchtlinge anerkannt beziehungsweise leben seit mehr als 24 Monaten in Baden-Baden und haben insofern einen Anspruch auf größere Zimmer. Die Anschlussunterbringungen dürfen – im Gegensatz zu Gemeinschaftsunterkünften für die Neuankömmlinge – auch nicht in Gewerbegebieten stehen, sondern müssen im normalen Wohnumfeld liegen.

Im Augenblick wohnen Flüchtlinge in den Gemeinschaftsunterkünften, zum Beispiel in der Westlichen Industriestraße, zu zweit auf gerade mal 14 Quadratmetern. Gemeinschaftsunterkünfte sind zur Zeit: Westliche Industriestraße, Waldseeplatz, altes Vincentiushaus und Haueneberstein. Das ehemalige Hotel Abarin soll demnächst Anschlussunterbringung werden, hierfür sind allerdings bauliche Veränderungen nötig.

Anschlussunterbringungen mit mehr Platz (10 Quadratmeter pro Person, möglichst Einzelzimmer) für anerkannte Flüchtlinge und solche, die mehr als 24 Monate in Baden-Baden leben, werden nach derzeitigem Stand in der Frankenstraße, im Hotel Adler und künftig evtl. Abarin eingerichtet. Weitere Unterkünfte, z. B. Aumatt, sind noch im Bau.

Bürgermeister Michael Geggus stellte in Aussicht, dem Gemeinderat in der öffentlichen Sitzung am 24. Oktober (17 Uhr, Rathaus) ein Konzept für die Anschlussunterbringungen vorzustellen. Dann wird auch endgültig über den Standort des neuen Kindergartens entschieden, allerdings ist nicht mit einer Überraschung zu rechnen.

Lesen Sie hierzu auch den Beitrag auf dem Mercurius-Blog => KLICK