Donnerstag, 10. November 2016

Schöck - Abschluss


Sprache macht stolz und bringt Arbeit

Nicht nur die großherzige Spenderin Sabine Schöck war gerührt. „Mein Gott“, staunte sie, „was ist aus diesen Menschen geworden! Vor einem Jahr wussten sie kaum, wo sie hinsehen sollten und drucksten herum, und heute stehen sie aufrecht, erfolgreich und glücklich vor uns.“ Und das auch dank ihres Engagements, auf das sie und ihr Ehemann Eberhard Schöck mit ihrer Stiftung zu Recht sehr stolz sein können.

Eine Erfolgsgeschichte, die vor einem Jahr begann. Den Beitrag zum Start der privat finanzierten Kurse lesen Sie hier => KLICK





Ausgangspunkt ist, dass der Staat Integrationskurse nur für Asylbewerber und Flüchtlinge mit hoher Bleibewahrscheinlichkeit bezahlt. Das betraf im vergangenen Jahr ausschließlich Geflohene aus Syrien, Iran, Irak und Eritrea. Nur für sie finanzierte der Bund einen Sprachkurs. (=> KLICK) Alle anderen, und das war die Mehrheit, waren auf das Engagement von Ehrenamtlichen angewiesen, das natürlich vom Umfang her nicht mit dem anspruchsvollen 20-Wochenstunden-Kursangebot der Volkshochschule mithalten kann. (Inzwischen ist Somalia hinzugekommen.)




Die Schöck-Stiftung sah die Not und griff tief in ihre Tasche. 30 000 Euro kostet solch ein Kurs, letztes Jahr finanzierte man zwei dieser Lehrgänge mit jeweils 600 Unterrichtseinheiten, die das gesamte Spektrum der offiziellen Integrationskurse enthielten, bis hin zum Modul politische Bildung. Dieses Jahr setzte die Stiftung noch einen weiteren solchen Kurs drauf. Auch die Grenke-Stiftung hat sich in diesem Jahr diesem Engagement angeschlossen, doch Sabine Schöck wird nicht müde, für weitere finanzielle Unterstützer zu werben.


 

Insgesamt, so die Leiterin der Volkshochschule Baden-Baden, Monika Burck (links), sind bzw. waren derzeit geschätzt 450 Menschen in Deutschkursen der VHS, unterm Strich werden es viel mehr - vielleicht 500 - sein, denn so mancher bricht auch einen Kurs ab, sobald er ein Praktikum oder einen Job in Aussicht hat. Die Verantwortlichen sehen dies allerdings nicht gern, denn oftmals werden die hoffnungsfrohen Arbeitswilligen über kurz oder lang wieder heimgeschickt, weil ihre Deutschkenntnisse dann eben doch noch nicht den Erfordernissen im Arbeitsalltag entsprechen. Sie dann wieder in die Kurse zurückzuintegrieren, ist in der Regel nicht möglich. „Der Lehrstoff schreitet fort, Hausaufgaben müssen gemacht werden, sie haben dann den Anschluss verloren.“

Wie sehr es sich auszahlt, den Verlockungen des schnellen Geldes zu widerstehen, wurde gestern Abend deutlich: 32 Teilnehmer der Schöck-Kurse hatten durchgehalten, sie waren jeden Vormittag um 9 Uhr, fünfmal die Woche für vier Stunden, eisern zum Unterricht erschienen, hatten gebüffelt und nachmittags probiert, mit geduldigen Deutschen ihre wachsendes Sprachkenntnisse an den Mann zu bringen und zu üben. Nun standen sie da, stolz, aufrecht, glücklich: Alle hatten den offiziellen Sprachtest bestanden, die meisten auf A2-Niveau, fünf von ihnen hatten sogar die höhere Punktzahl erreicht und bekamen das begehrte B1-Zertifikat, das die Türen der Arbeitgeber weit öffnet.




Wie schwer das war, erzählte der fröhliche Lucky Okafor aus Nigeria. „Als ich herkam dachte ich – das ist das denn für eine Sprache? Kann ich das jemals lernen?“, erzählte er. Seine ermutigende Erkenntnis: „Es ist schwierig, aber es geht!“ Was man brauche sei Disziplin und Grammatik. Wie wichtig die Grammatik sei, habe er erst in den Schöck-Kursen gelernt, vorher habe er das für nicht so wichtig erachtet. Der junge Mann hat große Pläne: Er hat bereits eine Ausbildung zum Krankenpfleger am Klinikum Mittelbaden begonnen, aber mit der Sprache will er parallel weitermachen. B2 ist sein neues Ziel.



Und er stand nur stellvertretend für all die anderen fleißigen Sprachschüler. Kranken- und Altenpfleger wollen viele werden, andere suchen eine Ausbildung zum Elektromechaniker oder Schweißer oder in der Gastronomie. Wenn hier ein Arbeitgeber mitliest: Bitte wenden Sie sich an den Arbeitsintegrator Stephan Langreder, er kann Ihnen diese positiven Menschen als motivierte, fleißige, zuverlässige und dankbare Arbeitnehmer und Auszubildende vermitteln!
Tel.: 07221 - 93 17400
Mobel: 0151 1969 2230

Wie ehrgeizig die Teilnehmer sind, wurde am Rande der Veranstaltung deutlich. Da gab es auch lange Gesichter, wenn die nötige Punktzahl nicht erreicht worden war. B1 wäre so eine schöne Belohnung für die Qual des mühsamen Lernen gewesen! Auf der andere Seite fehlte auch schon eine Reihe der Teilnehmer bei der Zeugnisübergabe, weil sie bereits arbeiten.

Für manche, die im Herbst eine Ausbildung gefunden haben, beginnt nun eine noch viel schwieriges Phase: Sie müssen in der Lehre und für die Berufsschule viele Fachausdrücke lernen, mit denen selbst gebürtige Deutsche so ihre Schwierigkeiten haben, wie ihre Lehrerin Gabriela Schulz erklärte. Hier ist dringend weitere ehrenamtliche Unterstützung notwendig.

Und noch ein Beispiel für unbändigen Lerneifer: Einer der Teilnehmer, der fest mit einem B1-Abschluss gerechnet hatte aber nur A2 geschafft hatte, saß sehr geknickt in der Runde. Seine Körpersprache zeigte, wie enttäuscht er von seinem Abschneiden war. Aber am späten Abend schrieb er mir eine Mail: Er werde sich anstrengen und noch mehr lernen und die B-1Prüfung im Januar wiederholen, auch wenn die Prüfungsgebühr ihn dann 130 Euro kosten werde. Das Geld werde er aus eigener Tasche zahlen.

Vorbildlich!

Und hier geht es zum Filmbeitrag über das Ereignis auf Mercurius => KLICK