Donnerstag, 3. November 2016

Waldsee - Fahrradprüfung


Linksabbiegen ist die große Herausforderung


Um ein Dutzend zertifizierte Fahrradfahrer reicher ist die Flüchtlingsunterkunft am Waldseeplatz seit gestern. Nach Schussbach und Westlicher Industriestraße ist der Waldseeplatz nun die dritte Unterkunft, die an dem von Stadtverwaltung, Allgemeinem deutschen Fahrradclub (ADFC), Flüchtlingshelfern und Polizei initiierten Fahrradkonzept teilgenommen hat.


Zweimal wurden bereits im Sommer in der Theorie Verkehrsregeln und die Bedeutung von Hinweisschildern gepaukt, dem schloss sich ein praktischer Teil an, in dem die Motorik geübt wurde, und nun galt es, nacheinander in zwei Gruppen unter den nicht ganz so gestrengen Augen eines Gesetzeshüters, das Gelernte endlich unter realen Bedingungen zu beweisen. 



EPHK Klaus Brenner von der Verkehrswacht fackelte nicht lange, verteilte Helme und schwang sich mit den Prüflingen zusammen auf die Sättel. Die Tour ging vom Waldseeplatz durch die Stadt in Richtung Ooswinkelsiedlung, die sich für derartige Zwecke bereits bewährt hat. Linksabbiegen habe sich hierbei als besondere Herausforderung erwiesen, erklärte Brenner. An Ampeln und Kreuzungen auf dem Weg stoppte der Profi mit seiner Gruppe, um alles Wichtige direkt vor Ort zu erklären. Großes Aufsehen erregten die Teilnehmer diesmal nicht mehr – ganz anders als beim Pilotprojekt vor einigen Monaten, als die Bewohner der Schussbach unter begeistertem Applaus und großem Hallo von Passanten ihre Runde drehten, wie Brenner sich noch lebhaft erinnerte. Dass – angesichts der Gesamtzahl von rund 1000 Asylbewerbern in der Stadt - nur relativ wenige Teilnehmer geschult wurden, liege unter anderem auch an den geringen personellen Ressourcen, über die die Polizei im Bereich der Verkehrserziehung verfüge, hieß es.
 



Meine Anmerkung: Wenn man sich das ansieht, kommen einem bei aller Freude auch Bedenken: Die Helme - nur für die Fahrt ausgeliehen. Beleuchtung? Reden wir nicht drüber. Die ehrenamtlichen Bike-Doctors bemühen sich nach Kräften, hier nachzurüsten. Aber, was ganz eklatant ist: Was passiert, wenn die Füchtlinge in einen Unfall verwickelt werden? Wer kommt für den Fremdschaden auf? Eigentlich brauchen alle Flüchtlinge in der Stadt dringend eine Haftpflichtversicherung. Das sind gerade mal 36 Euro im Jahr. Die Flüchtlinge, die oft gar nicht wissen, wie lange sie denn in Deutschland bleiben dürfen, schließen von dem bisschen Geld, das sie bekommen, eine solche Versicherung nicht selber ab; sie sind sich auch des Risikos gar nicht bewusst. Manche Gemeinden, auch im Landkreis Rastatt, übernehmen die Versicherung inzwischen für ihre Flüchtlinge, zumindest, wenn sie in Anschlussunterbringungen sind. In Baden-Baden ist man sich des Problems bewusst, verschließt aber die Augen und verweist aber darauf, dass die Flüchtlinge selber für eine Versicherung sorgen sollten. - Ganz dünnes Eis! 
Rita Hampp