Sonntag, 15. Januar 2017

Arabische Poesie und Musik


Wort- und Klangbilder verschmelzen


Überwältigend!

Es gibt kein treffenderes Wort für den arabischen Abend, den das Café International am Freitag im voll besetzten Bonhoeffersaal veranstaltet hat. Elske Brault (=> KLICK) war es gelungen, zu dieser Premiere Wort und Ton, Musik und Poesie, die orientalische und die westliche Kultur zusammenfließen zu lassen. Ein Schmelztopf, aus dem sagenhafte, zauberhafte Wortbilder entstiegen.




Auch mit der Auswahl der Interpreten hatte die SWR-Moderatorin und Autorin eine unendlich glückliche Hand bewiesen. 

Maram Karam, die junge Studentin der arabischen Literatur aus Syrien, die seit etwas über einem Jahr mit ihrer Familie in Baden-Baden Schutz gefunden hat, trug die Originaltexte großer arabischer Dichter vor und lehrte das gebannt lauschende Publikum, sich in die mit überraschender Leichtigkeit dahinrollenden Klänge der arabischen Sprache einzufühlen.




Man brauche Dichter, um diese Worte und Gefühle und Traumbilder ins Deutsche zu übersetzen, betonte Elske Brault; nüchterne Sachbuch-Übersetzer seien bei der Übertragung dieser Texten fehl am Platze. Und so gelang es ihr, die Zuhörer tief hineinzuziehen in die Gedanken- und Gefühlswelt der arabischen Poesie.




Welch ein Glücksfall, dass diesen beiden Frauen drei junge Männer zur Seite standen, die die Worte, Bilder und Gefühle in die klangvolle Welt der Musik übertrugen. Die beiden Musikstudenten aus Mannheim, Hesham Haram an der Oud und Amjad Sukar (Percussion), begleiteten die Stimmungen der Texte leise und einfühlsam, zusammen mit dem Baden-Badener Pianisten Julian Schönberger erweckten sie aber auch mit temperamentvollen Stücken die Musik der arabischen Welt zum Leben.



Was für ein Zusammenspiel der Kulturen! Dankbar und begeistert applaudierte das Publikum immer wieder, und man merkte Elske Brault an, wie berührt auch sie von diesem Abend war, den die Gruppe ja nur eine Woche vorher an einem Tag gemeinsam geprobt hatte.




Die Idee dazu wurde übrigens im Herbst auf einer Party geboren, bei der im privaten Kreis wunderbares syrisches Essen aufgetischt worden war. Eigentlich habe man sich daraufhin unterhalten, wie man diesen kulinarischen Genüssen einen breiteren Raum in Baden-Baden geben könne, aber schnell stand für Elske Brault fest: „Kochen – das ist nicht meins. Aber ich könnte mit der Sprache kochen lassen!“



Gesagt – getan. Die Studentin der arabischen Literatur, Maram Karam, war schnell gefunden, für die Musiker brauchte es ein kleines Quäntchen Glück. Aber auch das gibt es manchmal, und so traf sich Elske Brault spontan Ende Oktober mit zwei ihr empfohlenen Musikstudenten in Mannheim, es gab eine Probe der Musiker, ein paar Treffen zwischen Elske Brault und Maram Karam, und nur eine gemeinsame Probe aller Beteiligten vor einer Woche. Man merkte der Premiere diese kurze Vorbereitung nicht an, so eingespielt wirkte das Team.

Wie kam Elske Brault zu dem Thema?

Die arabische Sprache habe sie schon lange fasziniert, berichtet Elske Brault in einem kleinen Hintergrundgespräch am Ende des Abends; eigentlich seit ihrem 18. Lebensjahr, als sie als Au-Pair-Mädchen in Paris war und dort am Ufer der Seine fremde Klänge hörte, ihnen nachging und auf ausgelassen singende und tanzende Menschen aus Marokko und Algerien traf. „Das hat mich fasziniert und geängstigt zugleich“, erinnert sie sich, seien die Menschen aus diesen Ländern damals doch in Frankreich eher als eine Problemgruppe angesehen worden. „Ich war 18 und wusste nicht, wie ich mich verhalten soll. Nicht nur die Musik war mir fremd, auch der ganz andere Ton zwischen Männern und Frauen.“ Das finde sie immer noch spannend, sagt sie und lächelt. Bis heute hat sie einige Stücke einer algerischen Liedermacherin auf ihrem Handy. 
 
Mit Flüchtlingshilfe hatte sie bis dato nichts zu tun, das ist auch weiterhin nicht beabsichtigt. Aber der Austausch der Kulturen lag ihr am Herzen. Dass sie im Café International der evangelischen Stadtkirchengemeinde in Baden-Baden einen so fruchtbaren Boden fand und beim dankbaren Publikum auf so große Begeisterung gestoßen ist, machte nun nicht nur sie überglücklich. Auch die Hausherrin, Stadtpfarrerin Marlene Bender, war zu Recht "stolz, mitgenommen und verzaubert" von diesem Abend; auch der Chef des Cafés international, Manfred Bender zeigte sich absolut überwältigt von Poesie und Musik der arabischen Welt. 
 
Was soll ich sagen - ein gelungener Abend! Danke!



Hier zwei Kostproben (Videos von Khalil Khalil): 

Die Macht der Worte ... "Erwarte sie!" => KLICK




... und mitreißende Klangwelten =>  KLICK