Samstag, 11. Februar 2017

Kamerun-Abend


Lebensfreude und bedrückende
Wahrheiten beim Kamerun-Abend

Es war ein Wechselbad der Gefühle, in die die zahlreichen Besucher des Café international „Plus“ am Freitagabend im Bonhoeffersaal eintauchten. Martin Ngoubamdjun, genannt Bruder Martin, war der Einladung zu einem Kamerun-Abend gerne gefolgt, und er brachte schweres Gepäck mit: Nicht nur diverse Trommeln, sondern auch Informationen aus dem Grenzgebiet Kameruns und Nigerias, in dem die Terrorgruppe Boko Haram wütet und Angst und Schrecken verbreitet.




So schwankten die Zuhörer immer wieder zwischen unbeschwertem Lachen, wenn Bruder Martin von seiner Familie erzählte oder alle Kameruner im Saal hochleben ließ, weil ihre Heimat just zu diesem Zeitpunkt den Afrika Cup im Fußball gewonnen hatte. Dass dieses Ereignis am Wochenende überall mit großen Festen gefeiert werden wird, war jedem im Saal klar, der jemals in den Genuss kamerunischer Lebensfreude kam!
Ein wenig davon blitzte auch auf, als Bruder Martin zu seinen Trommeln griff und den Zuhörer mächtig einheizte und sie sogar zum Aufstehen und Mitklatschen animierte.



Dann wiederum verstummten die Gäste ob der Missstände, die er nicht nur bezüglich seiner Heimat anprangerte. Die ganze Grenzregion versinke in Korruption; Perspektivelosigkeit mache sich gerade bei den jüngeren Bewohnern breit und treibe sie regelrecht in die Arme von grausamen Terrorgruppen. Millionen Menschen seien davon bedroht, viele seien auf der Flucht, und die Weltöffentlichkeit verstumme immer mehr.

Foto: Daniele Fritz

Dennoch – Bruder Martin wäre nicht Bruder Martin und evangelischer Prediger, hätte er nicht auch eine gute Nachricht dabei gehabt: Hoffnung, sagte er, gebe es immer, an jedem Platz der Erde. Das habe ihn schon seine Großmutter gelehrt, und so sei das auch heute noch.
Und er nannte sogar Beispiele: In Ruanda und Ghana gebe es bereits positive Anzeichen für einen politischen Wechsel. Ob und wann dies auch auf die Regierungen benachbarter Staaten oder gar auf Nigeria oder Kamerun zutreffen werde, vermochte er allerdings nicht zu sagen. Und so entließ er seine Zuhörer eher in deprimierte Nachdenklichkeit. Aber wer weiß - vielleicht hat er bei seinem nächsten Besuch im Herbst schon bessere Nachrichten parat!Stadtpfarrerin Marlene Bender jedenfalls freute sich, ihn als Gastprediger für den während der interkulturellen Woche eingeplanten interkulturellen Gottesdienst ankündigen zu dürfen.