Mittwoch, 21. Juni 2017

Rede Dr. Jörg Sieger


Krankheit, Geister und Dämonen überwinden


Rede Dr. Jörg Sieger beim Ehrenamtsfest in Baden-Baden

Beim Ehrenamtsfest der Stadtverwaltung Baden-Baden hielt Dr. Jörg Sieger, Projektreferent des Caritas-Projekts „Nah am Menschen von ganz weit weg“ diesen vielbeachteten Vortrag, den ich auf Wunsch vieler Teilnehmer und mit Genehmigung des Referenten hier ins Netz stelle:





Von der Bedeutung ehrenamtlichen Engagements auf dem Weg zu gelungener Integration – oder: Wie Ehrenamtliche manchmal sogar Krankheit, Geister und Dämonen überwinden“

Ich frage mich immer wieder, wenn ich mir vor Augen halte, wie Menschen in anderen Regionen dieser Erde leben müssen, womit ich das verdient habe, dass es mir hier so gut geht!“
Diesen Satz sagte eine Mutter vor einigen Monaten bei einem Elternabend in einer Realschule.
Darauf antwortete ihr postwendend eine andere:
Ich kann Ihnen sagen, womit ich das verdient habe! Weil ich hier geboren bin. Das ist mein Land! Andere sollen sich um ihre Länder kümmern, das geht mich nichts an!“

Sehr geehrte Damen und Herren,
das war das erste Mal, dass ich nahezu sprachlos war, seit ich in meiner jetzigen Tätigkeit unterwegs bin.
Und zum Glück ist mir so eine Begebenheit bisher nur einmal untergekommen.
Was wir ansonsten seit 2014 in Deutschland erleben durften, ist eine Welle der Gastfreundschaft und vor allem der Hilfsbereitschaft.

1. - Motivation – wieso engagieren sich Menschen in der Flüchtlingsarbeit

Überall entstanden Helferkreise, boten Menschen ihre Hilfe an – Menschen wie Sie, die Sie hier sitzen - , überall wurde Geld in die Hand genommen, um Unterstützungsstrukturen zu schaffen – natürlich von Seiten der staatlichen Stellen, aber nicht minder von vielen freien Trägern, Kirchen, Wohlfahrtsverbänden und, und, und.

Ich glaube, noch nie hat unser Land eine solche Welle der Hilfsbereitschaft gesehen, wie das in den jetzt zurückliegenden Jahren der Fall gewesen ist.

Und ich habe mich immer wieder gefragt: Warum tun Menschen so etwas?

Es ist ja nicht so, als ob nicht jeder und jede von uns genug eigene Sorgen hätten. Warum dann auch noch für Flüchtlinge engagieren?

Jeder und jede wird ihre ganz eigenen Gründe haben. Aber ich glaube, neben der schlichten Hilfsbereitschaft oder auch christlich motivierter Nächstenliebe spielt für viele Ehrenamtliche häufig eine Rolle, dass das Schicksal jedes einzelnen geflüchteten Menschen unsere Art zu leben plötzlich hinterfragt.

Da kommen dann Fragen wie: „Womit habe ich das verdient, dass es mir um so viel besser geht als so vielen anderen“.
Wie viele unserer Probleme erscheinen plötzlich unendlich klein angesichts der Not, die wir hier miterleben. Und wie gut ist es, in Dankbarkeit etwas von dem, was uns einfach geschenkt wurde, zu teilen, etwas von unserem Glück, hier leben zu dürfen, mit anderen zu teilen.

a. Schwierigkeiten des Begriffs „Helfen“

So hehr dieser Beweggrund letztlich ist, es gilt, die eigene Motivation trotzdem immer wieder aufs Neue sehr wach und auch sehr kritisch zu überprüfen. Das mit dem Helfen-Wollen hat nämlich durchaus auch seine Tücken.

Helfen tut man nämlich in aller Regel einem Schwächeren. Wenn man jemandem hilft, dann ist man irgendwie stärker, man hat etwas zu geben, weiß mehr, und ist dem anderen in aller Regel auch überlegen. Sonst bräuchte der meine Hilfe ja auch nicht. Es geht ja gerade darum, dass ein Schwächerer nach Hilfe sucht.

Für die Not- und Erstversorgung trifft das ja auch durchaus zu.

Gefährlich aber ist es, wenn sich so etwas als Grundhaltung dann ganz tief drinnen festsetzt.

Vor allem, weil wir von der Krankheit des alten kolonialen Denkens noch nicht wirklich genesen sind. Manche Ehrenamtliche erinnern sich ja durchaus noch an den alten Pfarrer aus ihrer Jugendzeit und seine Predigten davon, dass man – entschuldigen Sie den Ausdruck – dem „armen Negerlein“ doch helfen müsse. Da kommen sie dann wieder ganz schnell hoch, die Vorstellungen von der Überlegenheit der Europäer oder das Denken in Entwicklungshilfe, dass es Menschen aus der sogenannten „Dritten Welt“ ohne uns ja gar nicht schaffen können, dass wir ihnen doch erst zeigen müssen, wie alles geht. Und so hört man sie denn auch immer wieder, solche Sätze, dass man das den Flüchtlingen schon noch beibringen werde: das mit der Pünktlichkeit oder mit der richtigen Erziehung der Kinder.

Und dabei wollten wir dem neuen Mitbürger doch eigentlich auf Augenhöhe begegnen!

So wichtig das mit der Notfallhilfe und der Erstversorgung ohne viel zu fragen in der Anfangszeit auch war. Wir müssen gut aufpassen, dass wir geflüchtete Menschen letztlich auch wirklich als Menschen, als Subjekte, wahrnehmen, dass wir sie nicht zu Objekten machen: Objekte unserer gut gemeinten Hilfe.

Nicht ganz von ungefähr hat eine Kollegin jüngst dazu ermahnt, darauf zu achten, aus unseren Gemeinschaftsunterkünften nicht so etwas wie Kitas für Erwachsene zu machen.

b. Von der Hilfe zur wirklichen Begegnung und zum Miteinander

Die Menschen, die in den vergangenen Jahren zu uns gekommen sind, hatten ein Leben vor der Flucht. Sie haben häufig mehr erlebt, als manch einer von uns sich nur erträumen kann, und weit mehr gemeistert, als ich in meinem Leben das je musste.

Sie wissen sehr wohl darum, was sie können und auch, was letztlich wirklich gut für sie ist.

Ihren Fähigkeiten stehen wir aber nicht selten genug recht hilflos gegenüber.
So erinnere ich mich an einen „Tag des Neubürgers“ in einer südbadischen Kommune. Es gab sehr viele Neuzuzüge: Künstler, Intellektuelle, Professoren aus Freiburg. Und man veranstaltete einen Abend mit Sekt und Häppchen, um den Neubürgern die Integration ins Gemeinwesen zu erleichtern. Einer der neu zugezogenen Professoren übernahm damals den Vorsitz der Werbegemeinschaft.
Im Landratsamt Karlsruhe gab es jüngst einen Workshop zur leichteren Eingliederung Geflüchteter ins Gemeinwesen. Da gab es keinen Sekt und auch keine Häppchen für die Neubürger, ja es war nicht einmal ein einziger Geflüchteter anwesend.
Aber es gab viele Vorschläge. Und einer, der am Ende sehr prominent auf dem Flipchart prangte, lautete, man könne ja eine „Gemeindeputzede“ veranstalten.
Ob man in jener südbadischen Kommune überhaupt nur auf die Idee gekommen wäre, die neu zugezogenen Professoren zum Gemeinde-Putzen einzuladen?
Ja, die Flüchtlinge werden sich doch nicht zu schade sein zum Putzen!“, bekam ich zur Antwort, als ich diesen Vorschlag in Karlsruhe zu hinterfragen wagte.

2. Was ist eigentlich Integration

Unsere Gesellschaft tut sich vielfach schwer damit, Neuzugezogenen, die als „Ausländer“ erkennbar sind, auf Augenhöhe zu begegnen, ihnen wirklich die Hand zu reichen. Sie in ihrer Eigenständigkeit ernst zu nehmen und an Entscheidungsprozessen auch noch zu beteiligen, ist immer noch die Seltenheit.
Das wäre ja auch noch schöner, wenn die auch noch Ansprüche stellen würden, am Ende auch noch mitreden wollten!“ Sie kennen solche Äußerungen.

Für viele wäre das Ziel von Integration schon erreicht, wenn die „Neuen“ möglichst unauffällig wären, ihr Anders-Sein einfach nicht auffallen würde.

Nahezu jeder, der hier eingewandert ist, wird Ähnliches gespürt haben. Und viele mühten sich deshalb auch darum, sich möglichst schnell anzupassen.

Eine Ehrenamtliche erzählte mir von ihrem Vater, einem der ersten italienischen Gastarbeiter in Deutschland.
Es war ihm wichtig, zu seinen deutschen Kollegen guten Kontakt zu halten, und er wurde auch mehrmals zu Arbeitskollegen nach Hause eingeladen. Dort fiel ihm auf, dass offenbar alle aus den ersten Italienurlauben ein Plastikmodell einer venezianischen Gondel mitgebracht hatten. Auf den neu in Mode gekommenen „Sideboards“ … stand überall, wo jener italienische Vater hinkam, eine solche Gondel. Kein Italiener wäre damals wohl auf die Idee gekommen, sich solch ein Modell in die Wohnung zu stellen. Für ihn aber war klar, dass dies offenbar zu einem deutschen Wohnzimmer gehört. Und weil der Vater jener Ehrenamtlichen nun ein guter Deutscher werden wollte, schaffte er sich – wie selbstverständlich – eine solche Gondel an und stellte sie prominent platziert ins Wohnzimmer.

a. Probleme mit dem Begriff

Alle reden von Integration, sehr viele aber – und ich behaupte sogar die meisten unserer Politiker – meinen Assimilation, wenn sie Integration sagen. Sie denken an Anpassung. Wer hierherkommt, muss sich uns anpassen, denn wir waren schließlich zuerst da.

Aber woran soll sich der Neubürger denn am Ende anpassen? Was ist denn das, das typisch Deutsche?

In vielen Seminaren habe ich zusammen mit Ehrenamtlichen den Versuch unternommen, zum Beispiel ein typisch deutsches Wohnzimmer zu beschreiben. Und einmal, als sich eine Gruppe in der Beschreibung eines solchen Zimmers recht einig war, stellte ich anschließend die Frage: „Und bei wem von Ihnen sieht das Wohnzimmer jetzt so aus?“ Es war bei keinem einzigen der Fall. Das, was man als „typisch deutsch“ beschrieben hatte, traf auf niemanden wirklich zu. Es waren die Erinnerungen an die Großeltern und deren Wohnungen, die man herangezogen hatte. Oder wie ein Teilnehmer es dann formulierte: „Typisch deutsch ist doch immer von gestern!“

b. Das Gespenst der „Leitkultur“

Vielleicht klingen Versuche, eine deutsche Kultur zu beschreiben, auch deshalb schon immer irgendwie muffig. Und wenn sie im Gewand jenes Gespenstes einer „deutschen Leitkultur“ daherkommen, dann klingen sie darüber hinaus meist auch ziemlich komisch und bei Sätzen wie „Wir sind nicht Burka“ sogar selten dämlich.
Gehen Sie mal in eines unserer Jugendzentren und erklären dort, dass man sich in Deutschland zur Begrüßung die Hand gibt!
Deutschland ist doch viel zu vielfältig, als dass man es mit wenigen Sätzen beschreiben könnte.
Und vermutlich ist das schon immer so gewesen.
Oder will jemand ernsthaft behaupten, dass Schwaben eine Kultur hätten, die der badischen gleicht?
Nein, ohne Witz: Jedes Bundesland beansprucht doch für sich eine eigene Kultushoheit. Und das mit gutem Grund.

Und dort, wo man vordergründig gleiche Kultur voraussetzt, etwa bei den vielen Spätaussiedlern, die in den 90er-Jahren aus Russland zu uns kamen, selbst bei Menschen, die doch offenbar alle der gleichen deutschen Kultur angehörten, kann ich aus meiner Zeit als Pfarrer in Bruchsal mehr als eine Geschichte erzählen, wie oft die Integration dieser Menschen misslungen ist – und das auch deshalb, weil es hier offenbar gewaltige kulturelle Unterschiede gibt.

Deutschland ist vielfältig und ist es schon immer gewesen. Von etwas anderem zu träumen, hieße, einer Provinzialität das Wort zu reden, die vielleicht idyllisch sein mag, aber mit einem Mehr an Lebensqualität absolut nichts zu tun hat.

c. Und was ist mit den Werten?

Aber immerhin haben wir ja noch unsere Werte, und die muss man doch akzeptieren, wenn man hier leben möchte.

Das kann ich unterschreiben, wenn dazugesagt wird, dass Werte wichtig sind, aber nicht wirklich gelebt werden. In aller Regel werden Werte bei uns so hoch gehalten, dass man noch bequem darunter hindurchgehen kann.

Wie war das?
Unsere Gesellschaft basiert auf christlichen Werten?
Wir reichen den Notleidenden die Hand?
Wir schauen nicht einfach zu, wie Menschen auf der Flucht ums Leben kommen?
Und Familie ist ein hohes Gut, das es zu schützen gilt?
Ein syrischer Familienvater, der nur subsidiären Schutz erhalten hatte und deshalb seine Familie nicht nachholen durfte, hat unserem Innenminister letzthin Bilder seiner Frau und seiner Kinder geschickt.
Sie hatten sich, weil sie nicht legal einreisen durften, aufs Boot gewagt.
Sie sind alle im Mittelmeer ertrunken.
Bitte entschuldigen Sie, wenn ich das Gerede von den europäischen Werten längst nicht mehr hören kann.

d. Angst vor Parallelgesellschaften

Nur, brauchen wir nicht dringend eine verbindliche gemeinsame Basis, damit uns am Ende nicht Parallelgesellschaften drohen?

Sicher brauchen wir die – auch wenn ich die große Angst vor Parallelgesellschaften nicht wirklich teile. Die drohen uns schließlich nicht, sie sind doch längst Realität und sie sind bei uns doch eigentlich schon immer Normalität.

Wir sitzen als Gesellschaft doch nicht ständig zusammen. Ich treffe mich vornehmlich mit den Menschen, die mit mir auf einer Wellenlänge sind. Und mit den anderen habe ich doch wirklich kaum etwas zu tun.
Dass sich unsere Gesellschaft in viele unterschiedliche Milieus zergliedert, ist doch altbekannt.
Das Milieu eines Schützenvereins wird mir immer fremd bleiben. Und in der sogenannten Jugendkultur kann ich alter Sack schon lange nicht mehr landen.

Schwierig wird es nur dann, wenn sich die einzelnen Milieus so abschotten, dass es keine Berührungspunkte, dass es keinerlei Überschneidungen mehr gibt.

Wenn ich den Schützenbruder, den Verbindungsstudenten nicht mehr am Arbeitsplatz treffe und als netten Kerl erlebe, dann kommt es zu abgeschotteten Parallelgesellschaften. Und die sind für unsere Gesellschaft immer eine Schwierigkeit – ganz egal, ob unter alten Deutschen, neuen Deutschen oder solchen, die nur als Gäste bei uns leben.

3. Auf dem Weg zur gelungenen Integration

a. Begegnungen ermöglichen

Hier stehen wir letztlich dann vor der eigentlichen Herausforderung, die unsere Gesellschaft zu bewältigen hat. Wer solch abgeschottete Parallelgesellschaften verhindern möchte, der muss Begegnungen ermöglichen, der muss daran arbeiten, dass ich mit Menschen, die normalerweise in einem anderen Milieu verkehren, zusammenkomme, sie erlebe, kennen- und bestenfalls auch schätzen lerne.

b. Integration als gesamtgesellschaftliche Aufgabe

Sie ahnen, dass das sehr viel mit Ehrenamt zu tun hat. Denn so etwas lässt sich nicht machen, und noch viel weniger verordnen. Und die schönsten Projekte helfen da auch nur bedingt. Hier braucht es Menschen, die begreifen, dass jeder und jede in ihrem persönlichen Umfeld gefordert ist.

Und es braucht Menschen, die begreifen, dass das nicht nur die Neuankömmlinge angeht. Sich-füreinander-interessieren ist immer eine wechselseitige Angelegenheit.

Ein neues Mitglied in einem Verein kann sich noch so sehr anstrengen, es wird nie einen Fuß auf den Boden bekommen, wenn die anderen Mitglieder eigentlich kein Interesse an ihm zeigen.
Es geht nie nur darum, ob sich jemand integrieren möchte. Mindestens genauso wichtig ist, dass die Mehrheitsgesellschaft wirklich auf ihn zugeht, dass jemand von der Gesellschaft auch integriert wird!

4. Steine ausräumen

a. Wir müssen an Haltungen arbeiten

Ich erzähle Ihnen da nichts Neues. Sie haben sich in der Vergangenheit ja genau darum gemüht. Und die Vereinigungen der schon seit längerem in Deutschland lebenden Migrantinnen und Migranten haben nicht minder auf diesem Gebiet Großartiges geleistet.

Es braucht aber noch mehr.
Wir müssen mithelfen, dass unsere Gesellschaft an ihren Haltungen arbeitet.

Wenn eine Frau, die seit Jahren hier lebt, auch nach allen Anstrengungen, die sie unternommen hat, in den Augen der „alten Deutschen“ immer noch die „Türkin“ bleibt, wenn ein Mensch auch nach Jahren immer noch „der Flüchtling“ ist, oder die „Hergloffene“, die auch nach Jahrzehnten noch nichts zu melden hat, weil unsere Großeltern damals nicht gemeinsam im Sandkasten gespielt haben, dann zwinge ich andere in eine parallele Gesellschaft hinein, weil das eigene Milieu nicht mehr offen, sondern abgeriegelt ist und für den anderen keinen Platz mehr lässt.

Wenn ich selbst nach Jahren noch immer zum „Italiener“ gehe, ohne zu registrieren, dass dieser Mensch einen Namen hat, dann verhindere auch ich dadurch, dass dieser Mensch in unserer Gesellschaft wirklich ankommen kann.

b. Wir müssen Dämonen austreiben

Helfen Sie weiter mit, denn das braucht langen Atem.
Und auf dem Weg lauert nicht nur die Krankheit des alten kolonialen Denkens, die uns Überlegenheit vorgaukelt, es lauern nicht nur die Gespenster von Leitkulturen und „unseren Werten“, es warten auch Dämonen!

Der katholische Theologe Fridolin Stier hat bei der Übersetzung des Neuen Testamentes den Versuch gemacht, das Wort „Dämon“ adäquat ins Deutsche zu übertragen.

Er hat dafür den Begriff „Abergeist“ gefunden.

Ich finde das unheimlich schön. Denn seit ich dieses Wort kenne, entdecke ich immer wieder solche Dämonen.

Sie kennen diese Abergeister auch.

Da macht man die besten Vorschläge, und sich einem „Ja, aber“ nach dem anderen gegenüber.
Bei Kommunen ist es meistens das Geld. Da heißt es dann: „Wir wissen, dass Integration wichtig ist, aber für diese Maßnahme haben wir jetzt wirklich kein Geld.“ Das ist der Abergeist, der Dämon, der Kurzsichtigkeit heißt.

Ich denke da zum Beispiel an einen Kindergarten, mit dem ich zu tun hatte. Wir hatten da zeitweise einen Ausländeranteil von 85 Prozent. Ideen gibt es da genug. Da müsste man jetzt einfach Geld in die Hand nehmen, und zwar viel Geld. Da braucht es mehr als nur ein paar Stunden Sprachförderung. Ja, aber der Haushaltsplan, aber der Kostenrahmen und der Stellenschlüssel...
Kurzsichtigkeit!
Jeder Cent, der jetzt in die Qualifikation und Ausbildung von Kindern gesteckt wird, der rechnet sich in der Zukunft.

Wehren wir solchen Abergeistern der Kurzsichtigkeit.

Und jenen Dämonen, die sich hinter Sätzen verbergen wie:
Ich habe ja nichts gegen Ausländer, aber...“
Das sind nämlich jene ganz besonderen Abergeister, jene, die uns weismachen möchten, dass durch die Fremden alles anders würde und dass Veränderung eine Bedrohung sei.

c. Wir müssen Veränderung als Chance begreifen

Vertreiben Sie diese Dämonen dort, wo Sie leben, in Ihrem Bekanntenkreis und bei Ihren Freunden.

Denn Veränderung ist immer eine Chance.

Nicht ist schlimmer als eine Gesellschaft, die auf der Stelle tritt und in der nur gilt, was seit jeher war.

Mit jedem Kind, das in unsere Gesellschaft geboren wird, verändern wir uns doch. Mit jeder neuen Generation verändert sich Gesellschaft. Und sie verändert sich mit jedem Menschen, der sich neu hier niederlässt.

Und das ist gut so.

Denn jeder und jede bringen unendlich viele Begabungen mit ein.

Und wenn wir jedem, ganz egal, wo er herkommt, ganz egal, in welcher Familie er geboren ist, ganz egal, wie er aussieht und welche Religion er hat, wenn wir jeder alle Türen in unserer Gesellschaft öffnen, den seit Menschengedenken hier Lebenden und den neu Zugezogenen die volle Teilhabe ermöglichen, dann haben wir am Ende alle gewonnen.

Das wird ein langer Weg. Dazu braucht es langen Atem.

Das kann bei vielen Einwanderern mal gut und gerne zwei, drei Generationen brauchen.
Das muss uns aber nicht entmutigen. Ganz im Gegenteil. Das nimmt uns den Druck, morgen oder übermorgen schon Ergebnisse liefern zu sollen.
Wir müssen nur dranbleiben.
Wir müssen nur alle Vorstellungen überwinden, die uns wie Krankheiten fesseln.
Wir dürfen uns von Scheindiskussionen, die immer wieder herumgeistern, nicht in die Irre führen lassen.
Und von den Abergeistern derer, die vor der Zukunft Angst haben, vor denen dürfen wir uns nicht lähmen lassen.

Dann schaffen wir das!

Copyright: Dr. Jörg Sieger



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