Dienstag, 19. September 2017

Untergegangen


Eindrückliche Kunstaktion am Augustaplatz

Sehr beindruckend und bedrückend ist die Fotoausstellung „Untergegangen“, die der junge Syrer Abdullah Rajab Almalla konzipiert hat, und die gestern im Beisein von viel Prominenz aus Kulturleben und Gesellschaft feierlich öffnet wurde.



16 großformatige Fotografien aus dem heutigen zerstörten Aleppo, Portraits verzweifelter Menschen ebenso wie Ruinen des einstigen Weltkulturerbes sind hier zu sehen, versenkt im Wasser des Augustasees. Eindrücklicher kann man nicht dokumentieren, dass allein im vergangenen Jahr 3771 Menschen im Mittelmeer ertranken. Unzählige sind im Land geblieben und müssen dort bis heute unter menschenunwürdigen Bedingungen hausen. 




 
Die Ausstellung ist bis 7. Oktober zu sehen und Teil der interkulturellen Wochen. Parallel zur Open-Air-Ausstellung, die man 24 Stunden am Tag besichtigen kann, gibt es im angrenzenden Welterbewürfel eine Diashow „Aleppo vor und nach dem Krieg“. Die Präsentation dauert nur wenige Minuten und wird jeweils eine halbe Stunde lang in Dauerschleife gezeigt, und zwar an folgenden Tagen:
Mittwoch, 20. 9., um 19 Uhr, Samstag, 23. 9., um 12 Uhr, Montag, 25. 9., um 12 Uhr, Freitag, 29. 9., um 19 Uhr und Dienstag, 3. 10., um 18 Uhr. 

 


Abdullah Rajab Almalla, der die Ausstellung konzipiert und durchgeführt hat, ist in Aleppo geboren und dort auch Archäologie studiert. 2015 flüchtete er aus Syrien und lebt seitdem in Baden-Baden, wo er nun Anfang des Monats eine Ausbildung beim SWR begonnen hat.




Die Fotos zur Ausstellung lieferte Waseem Series (Pseudonym), der auch heute noch in Aleppo lebt und Medien an der dortigen Universität studiert. Zwei weitere beteiligte Fotografen leben ebenfalls in Aleppo. Aus Sicherheitsgründen werden keine näheren Informationen über diese drei Künstler preisgegeben. 

 

Abdullah Rajab Almalla, genannt „Appo“, sorgte bereits im vergangenen Jahr während der interkulturellen Wochen mit seinem Film „Schatten“ für Aufsehen. In diesem Film begleitete er zahlreiche Landsleute im Alltag in ihrer Baden-Badener Flüchtlings-Unterkunft in der Schussbachstraße und ließ sie mit ihren Sorgen und Träumen zu Wort kommen. Dieser Film wird übrigens dieses Jahr noch zweimal gezeigt: Am Donnerstag, 28. September, um 19.30 Uhr im katholischen Pfarrsaal St. Bartholomäus in Haueneberstein und am Freitag, 13. Oktober, um 18 Uhr im Moviac zusammen mit dem Kurzfilm „80 qm Integration“, der ebenfalls in Baden-Baden gedreht wurde, und dem Film „Angekommen in Baden-Baden – aus Flüchtlingen werden Mitbürger“, der heute Abend Premiere hat.

Heute, 19 Uhr, Premiere im Cineplex-Kino

In diesem Film kommen neun Flüchtlinge aus unterschiedlichen Nationen zu Wort, die es in Baden-Baden „geschafft“ haben. Sie wurden zuhause und am Arbeitsplatz gefilmt, und dennoch ergab sich bei einigen kurz nach den Dreharbeiten dramatische Wendungen... 




Eine Podiumsdiskussion im Anschluss an den Film wird sich auch mit dem Schicksal derjenigen Flüchtlinge befassen, denen es bislang nicht gut gelang, Fuß zu fassen, beziehungsweise denen die Politik einige Knüppel zwischen die Beine geworfen hat. Es diskutieren Bürgermeister Michael Geggus, Monika Burck von der Volkshochschule über das Thema Sprache, Ludwig Herfs vom Arbeitskreis Asyl über das Thema Abschiebungen und zum Thema Arbeit als Vertretung des leider erkrankten Jobcenter-Chefs Gerald Maisberger seine Mitarbeiterin, die Migrationsbeauftragte Britta Händel. Moderation: Patrick Fritsch. Durch den Abend führt die Integrationsbeauftragte Svetlana Bojcetic, und auch „Appo“ stellt zu Beginn des Abends seine Kunstaktion vor.
Karten (4 Euro, freie Platzwahl) gibt es im Vorverkauf und hoffentlich auch noch an der Abendkasse. => KLICK

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Bitte sehen Sie sich auch den Film über die Aktion an. Khalil Khalil hat ihn für www.Badisches.de gedreht. Wunderbar! => KLICK 

Aktualisierung: Leider hat Badisches.de den Film bereits nach ein paar Tagen vom Netz genommen, weil er nicht zum neuen Konzept der Seite passt. Schade!