Mittwoch, 3. Oktober 2018

in via


Internationalität mit Herz und Verstand
Bei "in via" wird Frauen Mut gemacht

Volles Haus und offene Türen gab es gestern beim Treffpunkt „In Via Puella“ in der Luisenstraße. Im Rahmen der interkulturellen Woche lässt sich die Einrichtung (Trägerschaft: Katholischer Verband für Mädchen und Frauensozialarbeit in der Erzdiözese Freiburg) alljährlich in die Karten schauen, und was man sieht, sind glückliche, selbstbewusste Frauen aus unterschiedlichsten Nationen.




Es sind dies nicht nur geflüchtete Frauen, sondern auch Migrantinnen, die schon länger in Deutschland leben, sich aber nicht so recht aus ihrer Wohnung herausgetraut oder gar auf dem Arbeitsmarkt Fuß gefasst haben. Oft ist die Sprache eine Barriere, oder mangelnde Möglichkeiten der Kinderbetreuung, oder auch fehlen die grundlegenden Fähigkeiten, die man heutzutage im beruflichen Alltag braucht. Viele Baustellen, an denen das In-Via-Team mit Sabine Lang und Franziska Gassenschmidt mit Kompetenz und Herzlichkeit anpackt. 
 
Mehr als ein Dutzend  Nationalitäten kommen in der Wohnung im ersten Stock regelmäßig zusammen, es wird miteinander gesungen, gekocht, geredet, Deutsch (auch mit Kinderbetreuung) gelernt, und da dies dank guter Ausstattung am Computer möglich ist, werden nahezu spielerisch auch gleich die nötigen EDV-Kenntnisse mitvermittelt. 



Sich gegenseitig Mut machen und stärken steht im Mittelpunkt der Arbeit, aber wenn man so in die Runde blickt, die sich gestern zusammengefunden hatte, dann steht der gemeinsame Spaß offenbar an allererster Stelle. Das war auch gestern nicht überhören. "Wir singen ein Lied", ermunterte Gesundheitspädagogin Sabine Lang die Frauen. Und "Bruder Jakob" scheint wohl das internationalste Lied zu sein, das es gibt: Musik kennt keine Grenzen, und so kannte jede Besucherin die Melodie, aber sprachlich gab es ja doch Unterschiede. Jede Nation sang zunächst in der Landessprache - und dann vereinte alle der deutsche Text, in den der ganze Saal lauthals einfiel. Irgendwie klang es so, als sei man erleichtert, eine gemeinsame Sprache zu haben.


Überhaupt herrscht in dem Treffpunkt eine freundliche, familiäre Atmosphäre, eine Art geschützter Raum, in dem die Frauen aus sich heraus gehen und sich zum Beispiel auch trauen, nach vorne zu treten den anderen in großer Runde etwas über das eigene Heimatland zu erzählen. Es muss wohl nicht extra erwähnt werden, dass es auch ausreichend zu essen gab! Spezialitäten aus 15 Nationen – wer kann da schon Nein sagen!


Auch die Kinder laufen hier selbstverständlich mit, es gibt Spiel- und Rückzugsmöglichkeiten, alles passt zusammen.

Und dann die Kunstwerke, auf die man hier so stolz ist! Kürzlich hatte das Burda-Museum Frauen mit Fluchthintergrund zu einer Führung mit anschließendem Kunstworkshop eingeladen, und man hatte das Angebot in einer großen Gruppe samt Kindern angenommen. Jetzt hängen die Werke an den Wänden des Treffpunkts und an zusätzlichen Stellwänden, weil es so viele sind.

 
Vor allem auf den Erfolg von zwei Projekten ist man in der Einrichtung stolz, weil beide einen sehr guten Zulauf haben: Das eine heißt "Dounia" und bietet geflüchteten Frauen eine allererste Begegnung und Orientierung. Gerade Frauen leben kurz nach ihrer oft traumatischen Flucht oft noch in großer Furcht, und „in Via“ bietet ihnen niederschwellig Hilfe an, sich in kleinen Schritten in das nähere soziale Umfeld zu integrieren. 

Wenn sie dann bereit sind, über den Tellerrand zu blicken, können sie weiterführende Angebote von "MiA plus" annehmen wie zum Beispiel ein Sprachcafé, Unterstützung bei der Bewerbung auf einen Arbeitsplatz, überhaupt berufliche Orientierung, und eben auch PC- und Bewerbungstraining, bis hin zur Vermittlung von Praktika. Alle Angebote sind an die Erwartung geknüpft, dass die Frauen auch selber aktiv werden, regelmäßig mitarbeiten und Verantwortung übernehmen und sich eben auch in die betrieblichen Erprobungen trauen. 
 
Wie gut den Frauen der Weg in die persönliche Selbständigkeit tut, war bei der Stippvisite gestern zu beobachten. In diesem Sinne: Viel Erfolg weiterhin und bis zum nächsten Jahr bei der interkulturellen Woche!