Freitag, 30. November 2018

Jahresabschluss


Bürgermeister Kaiser beim Ehrenamtstreffen

Kampf gegen den Datenschutz, schwierige Wohnraumbeschaffung, Personalmangel, Forderungen nach mehr Disziplin – die Themen beim Jahresabschlusstreffen der ehrenamtlichen Flüchtlingshelfer im Scherer Familienzentrum waren vielfältig, und Antwort kam aus diesmal aus berufenem Mund: Fast eineinhalb Stunden nahm sich Sozialbürgermeister Roland Kaiser mit seinem Team, Fachbereichsleiterin Iska Dürr und Fachgebietsleiter Peter Weingärtner, auf Einladung der Bildungskoordinatorin Svetlana Bojcetic Zeit, sich den kritischen Fragen der Teilnehmer zu stellen.



Zunächst dankte er den Anwesenden für nun schon vier Jahre andauernde Hilfsbereitschaft, die keine Selbstverständlichkeit sei. Er könne es durchaus verstehen, wenn nun allmählich dem einen oder anderen die Puste ausgehe.Davon war im Saal aber nicht die Rede, an die 30 Ehrenamtliche waren zu diesem Abend gekommen. 

Im Jahr 2015 habe man eigentlich nur eine Basisversorgung leisten können, fasste Kaiser zusammen, heutzutage indes befinde man sich in einer Art formaler Sortierungsphase darüber, wer wie begleitet werden müsse. Nicht alles, was im Augenblick politisch aktuell ist, fand seine Gegenliebe, und er machte sich vehement für ein Einwanderungsgesetz stark, das auch im Arbeitsmarktinteresse liege. Er war skeptisch, ob bei der derzeitigen Konstellation im Innenministerium mit raschen Fortschritten gerechnet werden kann.

Aber nicht alles in der Politik sei negativ, meinte er. In Baden-Württemberg zum Beispiel gebe es durchaus positive Signale zu sprachlichen Programmen, beruflicher Qualifizierung, Wohnraum und Gesundheitsfragen. Was ihn aber am meisten beeindrucke, sei, dass der Gemeinderat bei den Abstimmungen zur Integration immer geschlossen zu hundert Prozent zustimme. Das sei in anderen Städten nicht so.

Günstiger Wohnraum für alle sozial Schwachen, nicht nur für die Flüchtlinge, war denn auch ein dringendes Anliegen für ihn. Auch hier sei eine erste Hürde im Gemeinderat genommen worden, außerdem befinde er sich in intensiven Gesprächen mit der GSE, um hier einen Sinneswandel weg vom reinen Geschäftsdenken hin zu sozialen Aspekten zu bewirken.

Die Flüchtlingsunterkünfte allerdings sind dermaßen ausgelastet, dass man keinen großen Spielraum habe, Leute, die Arbeit haben oder in Ausbildung sind und Ruhe zum Lernen brauchen, von jenen zu trennen, die – gerade nach Ablehnung des Asylverfahrens und damit einhergehenden Verlust des Arbeitsplatzes - keinerlei Perspektiven mehr sehen. Bei der Hellhörigkeit der Unterkünfte führt dies in vielen Fällen zu Reibereien. Es wurden schon extra Wohnmöglichkeiten an anderer Stelle geschaffen, doch diese Ruheplätze decken bei weitem nicht den Bedarf. Innerhalb der Unterkünfte gehe es jedoch leider nicht, Ruhezonen zu schaffen.

Auch zum akuten Personalmangel in der Abteilung Leistungen nahm Kaiser Stellung. Der Abbau von 8 auf 1,5 Stellen habe damit zu tun, dass es bis vor kurzem nur einen Schlüssel von 1:150 gegeben habe und die Zahl der Leistungsempfänger von 800 auf 250 gesunken war. Diese benötigen allerdings heutzutage wesentlich komplexere Beratung als noch vor zwei Jahren, so dass es zu großen Belastungen des Personals und langen Wartezeiten der Leistungsempfänger kommt. Mittlerweile sei der Schlüssel aber auf 1:100 angehoben worden und eine zusätzliche Stelle bereits ausgeschrieben worden.
Bei den zum wiederholten Mal vorgetragenen Klagen über Disziplinlosigkeit (beim Putzen) gerade der männlichen Asylbewerber und der Forderung, bei den (erwachsenen) Asylbewerbern eine Art Schulpflicht am frühen Morgen für die ehrenamtlichen Deutschkurse einzuführen, konnte Kaiser allerdings nicht weiterhelfen.

Im Anschluss stellte sich noch Fritz Lambinet als neuer ehrenamtlicher Sprachlehrerkoordinator vor.

Das nächste Ehrenamtstreffen findet am 14. Februar um 18 Uhr statt. An diesem Abend wird sich die neue Ehrenamtsbeauftragte, Ricarda Feurer, vorstellen und es wird der Vortrag über Resilienz nachgeholt.