Mittwoch, 16. Januar 2019

Aktuell


Liebe Flüchtlingshelfer,

diese Webseite ist 2015, ein Jahr nach Beginn unserer ehrenamtlichen Tätigkeit, aufgebaut worden, als noch niemand so recht wusste, wie das alles geht mit der Flüchtlingshilfe. 

Engagierte Einzelpersonen waren mit amtlichen Bescheiden überfordert, die Koordinatoren der ersten Sammelunterkünfte kämpften sich mühsam durch den Behördendschungel, Neuland überall, wir mussten viel lernen: wie geht das mit der Anmeldung bei den Behörden, wie motivieren wir die Leute, Deutsch zu lernen? Ab wann dürfen sie arbeiten? Wie läuft das bei den Anhörungen im BamF? Werden sie wieder zurückgeschickt? Wo können sie günstig an Kleider, Schuhe, Geschirr aber auch vielleicht an einen kleinen Fernseher kommen? Warum gibt es kein freies W-Lan für sie? Wie können sie denn Kontakt zur Familie halten ohne günstige Telefonverbindung? 

Was wollen sie überhaupt? Tanzen? Singen? Malen? - Nein! Arbeiten! Also: Wann bekommen sie eine Arbeitserlaubnis? Wie motivieren wir Arbeitgeber, es mit ihnen zu versuchen? Wie geht das mit der Anerkennung von Zeugnissen? Ist ein "Maler" auch wirklich eine geeignete Fachkraft für einen hiesigen Betrieb, oder braucht es noch Zusatzqualifikationen für unser hochtechnisiertes Land?

Wie können wir Menschen mit schweren Traumata helfen? Wie jemandem die deutschen Gesetze nahebringen, wenn er kein Deutsch kann? Ach - und dann müssen sie mobil sein, wenn die draußen vor den Toren der Stadt hinterm Bahndamm leben. Fahrräder wurden gebraucht, aber die, die uns wohlmeinend angeboten wurden, waren manchmal in einem jämmerlichen, nicht verkehrstüchtigen Zustand. Ehrenamtliche Fahrradwerkstätten bildeten sich, und machten sich an die Arbeit, die Zweiräder flott zu kriegen. Nächste Schwierigkeit: Verkehrsregeln! Licht! Bremsen!

Zeitgleich organisierten andere Ehrenamtliche zahlreiche Sprachkurse in den Unterkünften, die Volkshochschule bot Kurse an, in den Café Kontakts wurde - wie der Namen schon sagt - Kontakt geknüpft, oft mit Händen und Füßen... und so weiter!

Jeder von Ihnen kann da so manche Geschichte erzählen.

Damit nicht jeder das Rad neu erfinden oder die Behörden täglich mehrfachen mit Anrufen bombardieren musste oder Zeit mit Recherche wichtiger Informationen vergeudete, kam die Idee auf, die benötigten Fakten zu sammeln, und allen Helfern via Internet zur Verfügung zu stellen, maßgeschneidert auf die Verhältnisse in Baden-Baden. 

Zunächst erschienen die Informationen auf der bereits bestehenden Internetseite "Forum Baden-Baden", doch irgendwann nahmen die Informationen aus der Flüchtlingsszene überhand und wurden unübersichtlich, und es bot sich an, alles auf einer eigenen Webseite zu bündeln.

Am 13. September 2015 fand der virtuelle Umzug statt, nur wenige Tage vor dem Großereignis "internationale Suppenparty"... 

=> Start

Ach, die Suppenparty! Ein legendäres Stadtfest im alten Vincentiushaus! Erinnern Sie sich noch? Während wir mit "internationalen Hobbyköchen" in den Unterkünften - mit Equipment und Spenden und großem Engagement der Gastronomie - Eintöpfe kochten, braute sich gleichzeitig etwas zusammen, das unsere Aktion fast torpediert hätte: Quasi über Nacht standen 50 neue syrische Flüchtlinge in Baden-Baden und mussten in der Schussbachstraße untergebracht werden, die aber noch gar nicht ganz bezugsfertig war. Die Stadtverwaltung brauchte jeden Mann, um alles fertig zu bekommen, auch "unseren" Hausmeister aus dem Vincentiushaus, ohne dessen takräftige Unterstützung aber wir das große Fest nicht stemmen konnten. Das war Dramatik pur! 

=> DRAMA

Und so weiter... Schauen Sie sich doch noch einmal ein wenig auf dieser Webseite um, und Sie werden sehen: Wir können sehr stolz sein auf das, was wir in den vergangenen Jahren geleistet haben.

Wir haben viele Geschichten zu erzählen, traurige, fröhliche, auch frustrierende... und manchmal wurde unsere Geduld auch arg strapaziert.

Vier arbeitsreiche Jahre liegen hinter uns, die Berichterstattung über die Zeit hat viel Freude bereitet, und ich danke den Ehrenamtlichen, die mich bei der Blogarbeit kräftig unterstützt haben, allen voran Uta Rosseck, die als wahre Pionierin unermüdlich und engagiert die Gebiete Fahrrad und Arbeit beackerte, sowie Michael Beck und das ganze Team des Netzwerks Asyl.

Inzwischen hat die Stadtverwaltung viele hilfreiche Informationen auf ihrer eigenen Internetseite zusammengestellt, die Ehrenamtlichen sind inzwischen "alte Hasen" und gut strukturiert, sehr viele Füchtlinge sind in Arbeit, Ausbildung, Anschlussunterbringung (was weitere Problemstellungen mit sich bringt). Aber meine Arbeit des Informationensammelns neigt sich dem Ende zu. 

Ich werde diese Webseite selbstverständlich weiterhin mit Neuigkeiten und vor allem Terminen speisen, sofern sie mir zugetragen werden. E-Mail genügt, ich bringe alles in Form und stelle es auf die Seite.

Ich möchte nun danke sagen! Ich habe viele wunderbare Menschen kennengelernt, in den Reihen der Ehrenamtlichen ebenso wie unter den Flüchtlingen. Die Zeit war eine große Bereicherung für mein Leben.

Aber nun kann ich mit großer Zufriedenheit feststellen, dass meine - sehr arbeitsintensive - Ehrenarbeit zum größtem Teil erledigt ist und ich mich wieder anderen Dingen des Lebens zuwenden kann. Ab und zu wird es noch einen Newsletter an Sie persönlich geben (schicken Sie mir bitte einfach Ihre Mail-Adresse, wenn Sie noch nicht im Verteiler sind). Aber ansonsten ziehe ich mich nun in mein Privatleben zurück. 

Weiterhin viel Erfolg und Freude für Ihre wertvolle ehrenamtliche Arbeit! Und vor allem: Halten Sie durch! Wir haben viel geschafft, aber wir sind noch nicht fertig.

Sehen Sie bitte immer wieder auf die Terminseite, dort bleibt alles auf dem aktuellen Stand. Übrigens: Schon morgen, 17. Januar gibt es die nächste, interessante Veranstaltung! 





Herzliche Grüße, Ihre Rita Hampp