Donnerstag, 9. Mai 2019

Bike-Docs Spende


Spende aus ungewöhnlichem Anlass:
Reparatursäulen für Flüchtlingsräder

Über eine ungewöhnliche und großzügige Spende können sich die ehrenamtlichen Bike-Docs der Flüchtlingsunterkünfte in Baden-Baden freuen. Dr. Stephan Dresen aus Baden-Baden, selbst ambitionierter Langstrecken-Läufer und passionierter Radfahrer, überbrachte dem Team am Waldseeplatz stellvertretend für alle Flüchtlings-Radwerkstätten im Stadtgebiet - stilecht als „reitender Bote“ per Fahrrad - einen Briefumschlag mit 15 Hundert-Euro-Scheinen. 


 

Der Anlass für seine Großzügigkeit ist allerdings alles andere als erfreulich. Dresens Arbeitgeber Allergan in Weiterstadt hat nämlich kürzlich den Standort geschlossen und die Firma ins europäische Steuerparadies Irland verlegt. 250 Mitarbeiter, unter ihnen auch der langjährige Direktor der Qualitätssicherung Dresen, verloren ihren Arbeitsplatz. Das eingeschworene Deutschland-Team wollte sich aber nicht unterkriegen lassen und dem Globalisierungsgedanken etwas sehr Menschliches und Lokales entgegensetzen. Und so verfielen die 250 Angestellten nicht in Wehklagen, als sie vor 18 Monaten von der bevorstehenden Schließung erfuhren, sondern krempelten die Ärmel hoch und begannen, Spenden für diverse Hilfsprojekte, die sie in ihrem eigenen persönlichen Umfeld unterstützen wollten, zu sammeln. Durch Firmenläufe, Kuchenverlauf, Versteigerungen und Spenden aus den eigenen Bonuszahlungen kamen auf diese Weise 100 000 Euro zusammen, die nun durch die einzelnen Mitarbeiter ausgestreut werden. „Wir wollten ganz bewusst gemeinnütziges und ehrenamtliches Engagement vor Ort unterstützen“, berichtete Dresen beim Übergabetermin. 
 
Für ihn stand schnell fest, dass er mit seinem Anteil von 1.500 Euro die Flüchtlingshelfer an seinem Wohnort Baden-Baden unterstützen wollte, und hier insbesondere das zehnköpfige Team der Bike-Docs, das sich nun schon seit knapp vier Jahren ehrenamtlich und regelmäßig an mehreren Standorten im Stadtgebiet um die Verkehrstüchtigkeit der Fahrräder kümmern. Einmal wöchentlich treffen sich die engagierten Hobby-“Schrauber“ an den Standorten und öffnen die dort eingerichteten Radwerkstätten. Stets werden sie bereits sehnsüchtig erwartet und sind schnell umringt von Menschen, die auf das Rad angewiesen sind und bei Pannen dringend ihre Hilfe brauchen, da es ihnen sowohl am Know-how als auch am notwendigen Werkzeug fehlt. 
 
Uta Rosseck, die die Bike-Docs an den Standorten ehrenamtlich koordiniert, stellte beispielsweise Daniel aus Eritrea vor, der Vollzeit in Bühl Schicht arbeitet und dafür oft nachts um halb zwei aufbrechen muss. Ohne Rad wäre das nicht zu schaffen, es muss daher für ihn jederzeit funktionstüchtig bereitstehen. Auch deshalb hilft er in seiner spärlichen Freizeit dem Bike-Doc-Team am Waldseeplatz ehrenamtlich. 
 
Immer öfter merken die Ehrenamtlichen nun, dass viele Flüchtlinge aufgrund ihrer unterschiedlichen Arbeitszeiten nicht zu den festen wöchentlichen Öffnungszeiten ihrer Werkstatt kommen und dann schnell in Mobilitäts-Not geraten kann. Aus diesem Grund haben sich die Bike-Docs entschlossen, von der Spende fest installierte Reparatursäulen anzuschaffen. An ihnen sind alle für Fahrradreparaturen notwendigen Schraubenschlüssel, Luftpumpen, Zangen und sonstiges Spezialwerkzeug griffbereit befestigt, so dass die Flüchtlinge künftig bei kleineren Reparaturen von den Öffnungszeiten unabhängig sind. 


 

Es werden übrigens an den Standorten Westliche Industriestraße, Haueneberstein und eben Waldseeplatz weitere engagierte Schrauber gesucht, die einmal in der Woche die kleinen, freundlichen Teams unterstützen und entlasten möchten. Bitte melden Sie sich bei
Uta Rosseck, Tel: 07221 398 631, Mobil: 0171 751 4576