Samstag, 26. September 2015

Schussbach (2)


Riesenansturm
und Dramatik pur

Erste Lektion der Flüchtlingshelfer in der neuen Unterkunft für Asylbewerber in der Schussbachstraße: Man muss flexibel sein! Sehr flexibel.

Der gestrige Tag war an Dramatik nicht zu überbieten!

Dabei fing alles ganz harmlos an: schätzungsweise weit mehr als hundert Interessierte und Anwohner drängten sich gestern in der neuen Unterkunft, um sich anzusehen, wie ihre neuen Nachbarn demnächst untergebracht werden sollen.

Für 15 Uhr war eine Zusammenkunft von Hilfswilligen vorgesehen, und der winzige Gemeinschaftsraum konnte die Menschenmenge nicht fassen, die es kaum mehr abwarten konnten, sich in der ehrenamtlichen Flüchtlingsarbeit einzubringen. Es waren an die 50 Personen, die sich für diese Tätigkeit interessierten, grob gerechnet dürfte dort ein Helfer auf einen Flüchtling kommen. Man musste auf den Flur ausweichen.




Besonders erstaunlich und erfreulich war, dass sich so viele Nachbarn eingefunden hatten, die ihre anfängliche Skepsis abgelegt und ins Gegenteil verkehrt hatten. Das ist übrigens ein großer Verdienst von Samuel Mottaki von Aktivbrücke, der in den letzten Wochen von Haus zu Haus gegangen war und für gute Stimmung und große Hilfsbereitschaft gesorgt hatte.

Die Integrationsbeauftrage der Stadt, Hanna Panther (rechts), die vom Ansturm völlig überwältigt war, verkündete im Beisein von Sozialarbeiterin Jasmin Gerstner (Mitte) und Adrian Struch von der Caritas noch die „neuen Zahlen“: Am 12. Oktober werde wohl die erste Gruppe von neuen Bewohnern ankommen, sagte sie, eine Woche später erwarte man die nächste Gruppe. Zeitspannen, auf die man sich einstellen kann.




Niemand ahnte, wie schnell diese Zahlen überholt sein würden. Denn während noch darüber diskutiert wurde, in welche Gruppen man sich verteilen wollte und welche Aktivitäten man den Asylbewerbern anbieten könnte – bis hin zum Trommelkurs war alles mögliche im Gespräch – glühten derweil im Rathaus die Telefondrähte. 


 

Und als sich die Gruppen gerade auf neue Versammlungstermine vertagen wollten, platzte Bürgermeister Michael Geggus höchst persönlich mit der Nachricht herein: Soeben hatte er erfahren, dass bereits in wenigen Stunden 70 neue Asylbewerber in Baden-Baden ankommen würden. 60 passen in das neue Heim in der Schussbachstraße, das somit sofort voll belegt sein würde, zehn weitere werden - dem Vernehmen nach, was aber noch unklar war -  im alten Vincentiushaus untergebracht.

Dass es so schnell gehen würde, damit hatte niemand gerechnet.

Wir werden berichten, wie es nun weitergeht.