Donnerstag, 24. Dezember 2015

Danke



Frohe Weihnachten!


Allmählich schaffe auch ich es, mir vorzustellen, dass heute Heiligabend ist. Was war das nur für ein Jahr! Ich bin noch ganz außer Atem und werde deshalb bis zum 10. Januar etwas kürzer treten.

Aber eine kleine Geschichte wollte ich doch noch mit Ihnen teilen: Durch einen glücklichen Umstand hat ein junger Gambier, mit dem ich ein bisschen small-talk versucht habe, einen Platz in einem Intensiv-Sprachkurs ergattert. Er hat sich darüber gefreut wie ein Schneekönig und mir hoch und heilig versichert, dass er immer fleißig lernen und pünktlich zum Unterricht erscheinen werde. Denn er habe erkannt, dass dies seine ganz große Chance ist, seinen Traum von einer Ausbildung zum Krankenpfleger zu verwirklichen. Und tatsächlich. Er lässt keine Stunde aus, steht jeden Morgen um 6 Uhr auf, um pünktlich zu sein, und einmal die Woche kommt er nach dem Unterricht direkt zu mir, und wir üben, was er gelernt hat und gehen seine Hausaufgaben durch. Manchmal ist er dann schon so fertig und müde, dass er mir schier vom Stuhl kippt und wie ein übermüdetes Kind zu schielen beginnt. Aber trotzdem hält er auch diese zwei Stunden durch, besteht darauf, auch noch die letzte und eine allerletzte Übung in Angriff zu nehmen. Er will es schaffen, unbedingt.
Er lernt nicht nur Wortwendungen, Vokabeln und Grammatik, sondern er interessiert sich auch für alles, was um ihn herum vorgeht. Mehrmals musste ich ihm erklären, wie Weihnachten bei uns gefeiert wird, dass wir schon am Heiligen Abend damit anfangen, und was wir an diesem Tag tun. Er lernte es auswendig: Kirche – beten – Tannenbaum – Kerzen anzünden (auch wenn das mit der Aussprache vom ü noch nicht so recht klappen will und wir mehrmals wiederholen: ü, ü, ü!) – Lieder singen – Kartoffelsalat und Würstchen (wieder so ein ü-Wort!) – und: Geschenke verteilen.

Gestern nun hatten wir wieder unser Treffen. Er verspätete sich. Er habe nach der Schule noch schnell im Supermarkt etwas kaufen wollen, und da sei es so voll gewesen, entschuldigte er sich. Aber er sagte nicht, was er so dringend hatte besorgen müssen. „Etwas für dich“, murmelte er nur, wie ein gewiefter Geheimnisträger. Erst ganz am Ende des Unterrichts zog er verlegen seine Überraschung aus dem Rucksack: Ein Glas Honig, das er mir von seinem wenigen Geld gekauft hatte. "So macht man das doch in Deutschland?" - Ja, genau so. Danke! Frohe Weihnachten.