Montag, 7. Dezember 2015

VH - Nikolaus

Der Nikolaus und ein großes Talent


Von Uta Rosseck
Lustig, lustig, trallalallalahhh…..
Gestern nachmittag um 15 Uhr war es endlich soweit. Der Nikolaus kündigte sich mit kleinem Bimmeln an und schritt mit einem großen Sack bepackt den Hügel zur Asylbewerberunterkunft Vincentiushaus hinauf. Und da stand er nun vor der Tür. Seit Tagen mit wachsender Spannung erwartet. Kennen doch die allermeisten Kinder den Bischoff aus Myra nur aus dem westlichen Fernsehen und von Werbeplakaten. Nun ist er also leibhaftig im Haus und steht vor ihnen.


Schön anzusehen mit seinem roten Mantel und den weißen Locken. Ein Geschenk des Himmels, beziehungsweise der Nikolauszentrale Baden-Baden. Vielen, vielen Dank. 

Unter der Leitung von Martha Fuß-Demarez schmettern 15 Kinder im Alter von 2 bis 13 Jahren froh und munter das traditionelle deutsche Weihnachtslied vom „guten Niklaus, dem man nie genug danken kann“. Den größten Spaß haben Jungen und Mädchen aus Syrien, Irak, Afrika und Osteuropa sichtbar an der instrumentalen Begleitung mittels Glocken, Schellen und allerlei Perkussionsinstrumenten, die in letzter Minute von Helfern aufgetrieben wurden und nun leidenschaftlich zum Einsatz kommen. Die ganz Kleinen bimmeln auf dem sicheren Schoß der Eltern mit kleinen Glöckchen kräftig mit.
Der heilige Nikolaus, übersetzungstechnisch unterstützt von einem syrischen Hilfsnikolaus, zeigt sich entsprechend zufrieden. Hat er doch für jedes Kind ein kleines Geschenk vom Himmel mitgebracht. Martina Frietsch, ehrenamtliche Helferin im Hause, hat in detektivischer Fleißarbeit Name, Geschlecht und Alter jedes Kindes, das während der vergangenen 4 Wochen im Haus neu aufgetaucht ist, erfasst. So gelang das Kunststück, kein einziges Kind zu vergessen und der Nachmittag verlief in Harmonie.
Eine besondere Überraschung lieferte der 12 jährige Rusit aus Mazedonien, der den Bewohnern und Ehrenamtlichen bislang hauptsächlich dadurch auffiel, dass er seine überschüssige Energie in allerlei dumme Streiche umwandelte. Rusit outete sich als begnadetes Trommeltalent. Überglücklich nahm er nach seinem Solo auf einem improvisierten topfartigen Behälter, die Begeisterungsstürme des Publikums entgegen. Die Ehrenamtlichen recherchieren nun mit Hochdruck, wo und wie man dieses unbändige Kind musikalisch fördern könnte. Musikverein, Spielmannszug, Musikschule? Wer eine Idee hat, wie man das Talent des Jungen fördern könnte, bitte melden. Auch ein Instrument wird nun gesucht. Trommel, Schlagzeug, Conga?
Die anwesenden Eltern und Erwachsenen bedankten sich bei den ehrenamtlichen Helfern wieder und wieder für den schönen Nachmittag. Wirklich nicht nötig. In diesen, für alle Beteiligten außerordentlich strapaziösen Zeiten, sind Aktivitäten mit Kindern wahrlich eine Quelle der Kraft, die die Helfer überhaupt am Laufen hält. 
Es war ein sehr schöner Nachmittag und wir können nun mit Sicherheit sagen, dass „unsere“ Kinder eine enorme Begeisterung für das Singen und die Musik haben. Vielleicht findet sich jemand, der diese Begeisterung in geordnete Bahnen lenken kann? Also heißt es mal wieder „Helfer gesucht“! Die Musikschule ist informiert. Im nächsten Schritt sind die Kinder eingeladen, zu den vorweihnachtlichen Vorspielen zu gehen, um herauszufinden, welches Instrument ihnen gefallen könnte. Ein Orientierungsnachmittag ist angedacht.

Danach müssen Musikpaten gefunden werden für die Kinder, die ernsthaft ein Instrument erlernen möchten. Circa 55 Euro müssen pro Kind im Monat kalkuliert werden, wenn der Unterricht in Zweiergruppen stattfindet. Wir bleiben am Ball.


In diesem Sinne:
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