Sonntag, 13. März 2016

VH - Jahresbericht


Bilanz nach einem Jahr Vincentiushaus




Vor einem Jahr zogen die ersten Flüchtlinge ins Vincentiushaus in der Stephanienstraße ein.
Seitem sind über 50 Ehrenamtliche aktiv, unterstützen die Flüchtlinge bei ihrem Start in Deutschland, aber auch die Verwaltung bei ihrer Mammut-Aufgabe.
Nach einem Jahr ist es Zeit, eine erste Bilanz zu ziehen. Der Bericht soll über die zahlreichen Aktivitäten informieren, über die Strukturen, die sich gebildet haben. Er soll den Baden-Badenern einen besseren Einblick geben und auch Mut machen, sich selbst zu engagieren. Und letztlich soll er neuen Ehrenamtlichen-Gruppen den Start erleichtern.


Ein Zitat:

Innerhalb eines Jahres...
... haben wir viel über die Menschen gelernt, die zu uns flüchten; ebenso über die Länder, aus denen sie kommen. Wir haben aber auch viel über uns gelernt. Wie sehen andere Menschen uns und unser Leben in Deutschland? Wie sehen wir uns selbst?
... haben wir beispielsweise gelernt, was eine afrikanische Uhrzeit ist. Und unsere afrikanischen Bewohner wissen nun, was deutsche Pünktlichkeit ist.
... haben wir gelernt, wie freundlich und offen uns die meisten „unserer“ Flüchtlinge immer wieder begrüßen sei es im Haus, im Supermarkt, auf der Straße. Gleichgül- tiges aneinander Vorbeilaufen gibt es nicht. 
... haben wir sehr unterschiedliche Menschen kennengelernt. Viele davon Men- schen, die wir nicht mehr missen wollen.
... haben wir viele Lebens- und Fluchtgeschichten gehört viele davon schwer auszuhalten.
... hatten wir trotz aller Schicksale immer wieder schöne und fröhliche Momente mit den Flüchtlingen, die froh sind über ein bisschen Normalität in ihrem Alltag. 


Herausgekommen ist also ein Mammutwerk, 32 Seiten dick!, - passend zur erfolgreich geleisteten Mammutaufgabe, auf die alle Beteiligten sehr, sehr stolz sein dürfen! 

Hier können Sie den Bericht öffnen, nachlesen, vergrößern und ausdrucken => KLICK




Der Zufall wollte es so: Quasi als Geburtstagsgeschenk trugen ausgerechnet gestern beim traditionellen 14tägigen Café Kontakt die syrischen Bewohner für alle Ehrenamtlichen und Bewohner des Hauses ein absolut überwältigendes Büffet auf ...


Kichererben in Hummussoße mit Granatapfelkernen

 
Taboulee



Döner auf syrische Art, mit Hähnchen, Tomaten und Kartoffeln gefüllt


... was einmal mehr die Frage aufwirft, warum es
a) in Baden-Baden noch kein syrisches Lokal oder
b) wenigstens einen internationalen Kochclub gibt.
Kunden beziehungsweise Mitglieder gäbe es bestimmt genug.


Reis mit glänzenden Pinienkernen

 
Meine Anmerkung:
Wow!, kann man nur sagen, wenn man den Bericht der Ehrenamtlichen im Vincentiushaus in Händen hält. Respekt vor allem, was in dem vergangenen Jahr - auch in Pionierarbeit - geleistet wurde (Lernkurve: steil!). Ich habe einen Teil der Arbeit für den Blog begleiten dürfen und habe mich oft gewundert, wie man dieses Tempo und diesen Elan durchhalten kann. Manche wurden durch ihr Engagement zu ungeahnten Leistungen beflügelt, andere mussten auch die Notbremse ziehen, weil sie merkten, dass Flüchtlingsarbeit wie ein Sog ist und einen auffressen kann und man in Gefahr gerät, den Brotberuf zu vernachlässigen.
Bei allem Stolz auf das Erreichte: Ganz wichtig ist es an dieser Stelle darauf hinzuweisen, dass dieser Bericht stellvertretend für ALLE Ehrenamtlichen in der Stadt - und im Land - stehen muss. In jeder Unterkunft, bei jedem Flüchtlingshelfer fielen diese und ähnliche Arbeiten an, wurde ähnliches erreicht.
ALLE wurden vor mehr als einem Jahr ins kalte Wasser geworfen, es gab keine Vorgaben, keine Vorbilder, alles musste hart erarbeitet, recherchiert, auf Machbarkeit geprüft werden. Für die, die mitmachten, gab es nur eines: Die schutzsuchenden Menschen kamen, und sie brauchten - und bekamen - Hilfe.
Vieles, was am Anfang noch in persönlicher Einzelbetreuung möglich schien, geht heute nicht mehr, alles ist im Fluss, immer mehr Flüchtlinge packen inzwischen selbst mit an. Und so kann uns alle das Erreichte stolz machen und uns optimistisch in die Zukunft blicken lassen: Ja, wir können es schaffen!
Hier sollte - neben dem Verdienst des Ehrenamts - auch einmal den offiziellen Stellen ein Lob ausgesprochen werden. Gerade die von Natur aus schwerfällige Verwaltung läuft sich - bezogen aufs Ehrenamt -  inzwischen warm, ist für Innovationen offen, versucht den Spagat zwischen starren Verordnungen und dem Suchen nach Machbarkeit. Die Volkshochschule trägt mit Intensiv-Sprachkursen ihren Teil bei.
Darüberhinaus gibt es in Baden-Baden eine unendliche Hilfs- und Spendenbereitschaft, sie ist ungebrochen und absolut beispiellos! Wer sich zeitlich nicht persönlich in die Flüchtlingsarbeit einbringen kann, hilft auf diese Weise, spendet, denkt mit, unterstützt. Und trägt so dazu bei, dass diese große gesellschaftliche Aufgabe gemeistert werden kann.
Wir haben allen Grund, auf unsere Stadt stolz zu sein!
 

Mehr über die vielfältigen Aktionen im Vincentiushaus erfahren Sie hier => KLICK
Hier finden Sie Informationen über alle Standorte in Baden-Baden => KLICK