Sonntag, 15. Mai 2016

Trauma


Tipps für den Umgang mit traumatisierten Menschen


Aus einem Vortrag von Ludwig Herfs

Psychisches Trauma – ein unfassbarer Begriff, mit dem aber viele ehrenamtliche Flüchtlingshelfer umgehen lernen müssen. Denn zahlreiche ihrer Schützlinge leiden darunter.
Deshalb war das Interesse groß, im Rahmen einer Fortbildung, die die Caritas Baden-Baden durchführte, mehr über dieses Syndrom und den richtigen Umgang mit traumatisierten Menschen zu erfahren. In Ludwig Herfs, seines Zeichens Diplompädagoge und erster Vorsitzender des Arbeitskreises Asyl Baden-Baden, konnte ein erfahrener Fachmann gewonnen werden, der beide Seiten kennt: Die der traumatisierten Flüchtlinge und die der unerfahrenen Helfer.


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Anbei eine kurze Zusammenfassung seines Vortrags. Die gesamte Präsentation können Sie am Schluss dieses Beitrages ansehen und für den persönlichen Bedarf herunterladen.

Begriff:

Traumatisierte Menschen haben Hilflosigkeit und schutzlose Preisgabe erlebt.
Trauma ist ein subjektiv unfassbares Geschehen, das das Selbst- und Weltverständnis dauerhaft erschüttern kann.
Auslöser sind zum Beispiel:
Naturkatastrophen
Menschliche verursachtes schweres Unheil wie familiäre Gewalt, Entführung oder Wohnungseinbruch,
militärischer Kampfeinsatz,
schwerer Unfall und Flugzeugabsturz
Beobachtung des gewaltsamen Todes Anderer,
Opfersein bei Folter, Terrorismus, Vergewaltigung...

Symptome:

Gefühl der Überforderung
Konzentrationsschwierigkeiten (z.b. beim Vokabellernen)
Anfälligkeit für Missgeschicke
Gefühl der Lähmung und Erstarrung
Angstzustände, Panikattacken
Ausgebranntsein
Wutausbrüche
Tagträume
Suchtverhalten
chronische Beziehungsprobleme
Verlust von Sicherheit


Als Flüchtling wird anerkannt, wer verfolgt wird wegen
Rasse
Religion
Nationalität
politischer Überzeugung
Zugehörigkeit zu einer bestimmten sozialen Gruppe

Bedeutet:
Im Anhörungsverfahren ist es nötig,über Details zu berichten, über
Todesdrohungen
Gefängnis
Folter
sexuelle Gewalt
(Bürger)Kriegserlebnisse


Um im Anhörungsverfahren glaubwürdig zu sein, gilt Folgendes:
contra Flüchtling spricht:
Widerspruch in wesentlichen Punkten
einstudiert wirkende Aussage
globale Aussage
Unsicheres Aussageverhalten

Für die Glaubwürdigkeit spricht, wenn
die Aussage klar und schlüssig ist
die Aussage konstant und detailliert ist
spontan geantwortet wird
wenn spontane Fragen ergänzend beantwortet werden

Das bedeutet, dass der Flüchtling sich mit den traumatischen Erlebnissen im Vorfeld des Asylverfahren auseinandersetzen muss.
Das Trauma kann nur dann durchgearbeitet werden, wenn ein sicheres Band mit einer anderen Person geknüpft ist; dieses kann helfen, die Psyche zusammenzuhalten, wenn alles wieder erlebt wird.


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Bausteine für denFlüchtlingshelfer:

Akzeptanz der wiederkehrenden Beziehungstests:

Ist die Beziehung des Helfers verlässlich?
Kann ich vertrauen?
Werden von beiden Seiten Grenzen gesetzt und eingehalten?

Wie können Nahestehende Traumatisierten helfen?

Die meisten Menschen erholen sich besser, wenn sie sich mit anderen, die sich um sie sorgen, verbunden und von ihnen verstanden fühlen.
Über Dinge zu sprechen, die geschehen sind, kann dabei helfen, diese als weniger überwältigend wahrzunehmen.
Zeitweise kann es für die betroffenen Personen am besten sein, ohne reden zu müssen, einfach Zeit mit den Menschen zu verbringen, die ihnen nahestehen.

Gründe, warum Hilfe manchmal abgelehnt wird:

Sie wissen nicht genau, was ihnen gut tut
Sie möchten es vermeiden, über das Ereignis nachzudenken oder daran erinnert zu werden
Die bezweifeln, dass andere sie verstehen werden.
Se wissen nicht, wo sie Hilfe bekommen können.
Sie möchten andere nicht belasten
Sie schämen sich oder fühlen sich schwach.

Was Helfer tun können:

Zeigen Sie Interesse, Aufmerksamkeit und Fürsorge
Sprechen Sie über Reaktionen, die nach einem traumatischen Ereignis zu erwarten sind
Akzeptieren Sie, dass es eine Weile dauern kann, um so eine Belastung zu bewältigen
Helfen Sie dem Betroffenen, für sich positive Formen zu finden, mit den Folgen des Unglücks umzugehen
Seien Sie frei von Erwartungen und Beurteilungen
Wählen Sie einen ungestörten zeitlichen und räumlichen Rahmen für das Gespräch.
Glauben Sie daran, dass der Betroffene dazu im Stande ist, sich wieder zu erholen
Bieten Sie dem Betroffenen an, dass er, wann immer es nötig ist, mit Ihnen sprechen oder Zeit verbringen kann.

Was Sie vermeiden sollten:

Dem Betroffenen sagen, dass alles in Ordnung kommt oder dass er einfach damit fertig werden soll.
Ihre eigenen Erfahrungen mitteilen, ohne dem anderen zuzuhören
Den Betroffenen davon abhalten, von dem zu sprechen, was ihn belastet
Sich so zu verhalten, als sei jemand schwach oder würde übertreiben.
Ratschläge erteilen, ohne sich die Bedenken des anderen anzuhören oder zu fragen, was dem Betroffenen gut tut
Ihnen zu sagen, dass sie froh sein können, dass es nicht schlimmer gekommen ist

Wenn Ihre Unterstützung nicht ausreicht:

Teilen Sie dem Betroffenen mit, dass Experten der Meinung sind, dass Vermeidung und Rückzug voraussichtlich das Leid verstärken, während soziale Unterstützung die Erholung fördert.
Ermuntern Sie den Betroffenen, mit einem psychologischen oder medizinischen Berater zu reden.
Gewinnen Sie andere in Ihrem sozialen Umfeld dafür, gemeinsam der Person zu helfen.

Konfrontieren Sie sich im Vorfeld mit häufigen Foltermethoden.

Traumaverarbeitung nur mit „geschlossenen“ Fragen:

Warst du im Gefängnis?
Wo war das Gefängnis?
Wie sah es aus?
Namen der Wächter.
Wurdest du gefoltert?
  • Geschlagen, wenn ja, womit?
  • Elektroschocks?
Hattest du Verletzungen?
  • Welche und an welchen Stellen?
Gab es sexuelle Übergriffe?
Wurdest du vergewaltigt?
  • wo? Beschreibung der Örtlichkeit
  • wie oft – immer am selben Ort?
  • Von einem Mann oder von mehreren hintereinander?
  • Wie ist es abgelaufen? Hast du dich gewehrt?
  • Warst du verletzt?
  • Was ist danach passiert?

Innere Haltung beim Gespräch:

- Nicht aus Neugier fragen, sondern weil Fragen Hilfe zur Bewältigung sind
- Beide Gesprächspartner können Stopp sagen, wenn es einem zu viel wird
- Innere Distanz des Helfers zum Flüchtling sehr wichtig: Sich nicht in das Opfer hineinversetzen und nachfühlen, wie es ihm ergangen ist!
- Wenn Helfer Gefühle übermannen, Gespräch abbrechen und klären, ob es, wenn ja, wann und im welchem Rahmen fortgesetzt wird.
- Das gleiche gilt für den Flüchtling


Adressen:

Gunzenbachhof
Baden-Baden
Tel. 07221 936 0

Verein zur Unterstützung traumatisierter Migranten e.V.
Menschenrechtszentrum
Durlacher Allee 66
76137 Karlsruhe
Tel. 0721 62 88 306
Mail: trauma-migranten@web.de
Webseite: KLICK

Hier geht es zur pfd des Vortrags von Ludwig Herfs => KLICK


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