Sonntag, 20. November 2016

Der Weg

Unser Weg





Kann man die Situation unserer Flüchtlinge (ich scheue mich allmählich, dieses Wort zu benutzen) besser ausdrücken? 

Dies ist das Profilbild auf dem Smartphone eines 21jährigen Kurden, der vor einem Jahr nach Baden-Baden floh und sich den schwersten Weg überhaupt ausgesucht hat: Er möchte in Deutschland sein Abitur nachmachen. Fast ein Ding der Unmöglichkeit, aber so, wie er büffelt und seinen Weg hartnäckig verfolgt, sind wir sicher, dass er es eines Tages schaffen wird. 

Warum ich dieses Bild zeige?

Weil es für mich ein Symbol für alle tausend Menschen ist, die hier bei uns in Baden-Baden freundlich aufgenommen wurden und ein Dach über dem Kopf gefunden haben. Die ihre alte Heimat verlassen haben, um hier bei uns in Baden-Baden ihre Chance zu ergreifen, ihren Weg in ein neues Leben in Sicherheit und Frieden zu finden und zu beschreiten. 

Es macht mich jeden Tag aufs Neue glücklich, wenn ich sehe, wie unsere neuen Mitbürger fleißig und eifrig zu den Sprachkursen eilen. Ich staune, wie schnell und begeistert sie unsere schwere Sprache lernen. Ich bewundere ihre Geduld und ihren Optimismus. Was sie antreibt? Sie wollen keine Almosen, sie wollen keine Geschenke, keine Unterstützung. Sie wollen Arbeit; sie wollen vollwertige Mitglieder unserer Gesellschaft sein. 

Ich bin mir sicher, dass sie es schaffen werden. Dank der Hilfe der unzähligen engagierten ehrenamtlichen Helfer, der unglaublichen Spendenbereitschaft in der Bevölkerung, dem großen Einsatz der Volkshochschule und dem beispielhaften Bemühen der Verwaltung ist alles auf einem guten Weg - und bereits ziemlich nahe dort, wo wir hinwollten...

Warum ich das heute schreibe? Weil es wirklich einmal Zeit wird innezuhalten und zurückzublicken, was wir alle (!) in den letzten Monaten alles angepackt und bewältigt haben. Seien wir bei aller Arbeit, die uns so schnell nicht ausgehen wird, heute einfach mal stolz! Auf uns und auf unsere neuen Freunde.