Donnerstag, 21. September 2017

Filmabend "Angekommen"


Angekommen in Baden-Baden – eine Erfolgsgeschichte

Rund tausend Flüchtlinge leben derzeit in Baden-Baden, viele von ihnen kamen Ende 2014/2015 zu uns. Zeit, nachzusehen, was aus ihnen geworden ist. Das Bündnis „Baden-Baden ist bunt“ hat neun (nicht repräsentative) Schicksale von Menschen herausgepickt, die es „geschafft“ haben, und hat die acht Männer und eine Frau am Arbeitsplatz und Zuhause besucht. 


 

Unter ehrenamtlicher Mitwirkung der SWR-Auszubildenden Keno Bültena, Ina Brucker, Jenny Oehling, Yanuk Schmid und Tobias Weis, die mit Genehmigung ihrer Ausbilderin Christine Böhner auch das Equipment und den Schneideraum des SWR benutzen durften, wurde aus diesen Besuchen ein Film zusammengestellt, der die Situation unser neuen Mitbürger beleuchtet. 


 

Angekommen in Baden-Baden – aus Flüchtlingen werden Mitbürger“ lautete der Titel des Films, der am Dienstag auf der großen Leinwand des Cineplex gezeigt wurde und immerhin an die zweihundert Zuschauer angelockt hatte.

Die Integrationsbeauftragte Svetlana Bojcetic begrüßte die Anwesenden zu dieser Auftaktveranstaltung der interkulturellen Wochen, vor allem auch Astrid Saalbach von der Stiftung Entwicklungs-Zusammenarbeit (SEZ).

Abdullah Rajab Almalla, „Appo“, der im vergangenen Jahr an gleicher Stelle seinen in der Flüchtlingsunterkunft der Schussbachstraße gedrehten Film „Schatten“ vorgestellt hatte, berichtete, wie es ihm in der Zwischenzeit als „Angekommener“ ergangen ist: Seit September hat eine Ausbildung zum Mediengestalter beim SWR und sorgt gerade mit seiner Ausstellung „Untergegangen“ am Augustaplatz für Aufsehen.

Anschließend rief Werner Henn im Namen des Bündnisses alle Beteiligten auf die Bühne: Neben den SWR-Azubis und Gertrud Esslinger, die im Hintergrund Regie geführt und viel Freizeit und Sachverstand in dieses ambitionierte Projekt gesteckt hatte, waren dies Khalil Khalil, der sowohl vor als auch hinter der Kamera gestanden hatte, SWR-Urgestein Christof Teelen, der ebenfalls beim Drehen geholfen hatte, und natürlich die Akteure, die zum großen Teil anwesend waren und mit Recht stolz darauf sein konnten, wie sie sich in kurzer Zeit in Baden-Baden integriert haben:

- Samson, der bereits seit September 2015 in der Großen Tanne in Unterstmatt als Helfer arbeitet und hier sehr engagierte Arbeitgeber gefunden hat, die alles daran gesetzt haben, damit er nun eine Ausbildung zum Koch absolvieren kann und trotz Ablehnung des Asylantrags für die nächsten Jahre bei ihnen bleiben darf.

- Aeman aus dem Irak, der im Holzbaubetrieb Ziermann in Rastatt eine Ausbildung zum Zimmermann absolviert hat und im nächsten Jahr seine Gesellenprüfung ablegt,

- Emanuel, sein Arbeitskollege aus Kamerun, der in der Heimat von der Boko Haram verfolgt wurde, dessen Asylantrag abgelehnt wurde, der aber eine Ausbildung zum Dachdecker starten möchte.

- Ahmad aus Damaskus, dessen Frau und zwei kleine Kinder inzwischen nach Baden-Baden nachkommen konnten, der fleißig Deutsch lernt, mit Hingabe als Schlagzeuger auftritt, wo immer sich eine Gelegenheit bietet, und der davon träumt, irgendwann in seinem erlernten Beruf als Frisör einen eigenen Laden zu betreiben

- Aisha aus Aleppo, die in ihrer Heimat im Bombenhagel im dortigen Krankenhaus als Internistin gearbeitet hat, die inzwischen in Baden-Baden in der Stadtklinik hospitiert und auf ihre Zulassung wartet

- Alaa aus Syrien, der aus einer großen Gastronomen-Familie kommt und mit seiner Tätigkeit im Rizzi sehr zufrieden ist, obwohl er eigentlich Mechatroniker werden möchte,

- Abdihakim aus Somalia, der nach Abschluss der Vorbereitungsklasse am RWG kurzzeitig als Schuhverkäufer gearbeitet hat und nun einen Job in Bühl hat, und der sich bei aller Euphorie auch Gedanken und Sorgen um die teilweise mangelnde Motivation anderer Flüchtlinge in Baden-Baden macht

- Yannick aus Kamerun, dessen Traum vom ersten Tag es war, ein großes Müllauto in Baden-Baden zu fahren und abends ein Feierabendbier zu genießen, der diesen Traum zielstrebig verwirklicht: Bei der Müllabfuhr ist er schon, den normalen Führerschein hat er auch schon, jetzt plant er die LKW-Fahrerlaubnis... allerdings wurde auch sein Asylantrag abgelehnt.

- und dann ist da natürlich noch Khalil Khalil, das stadtbekannte Multitalent, dessen große Passion das Spiel mit den deutschen Worten ist, der gerne fotografiert, zurzeit für das Onlineportal „Badisches.de“ Filme dreht und schneidet, aber der davon träumt, eines Tages eine Ausbildung beim SWR beginnen zu können. 

Allesamt also Musterbeispiele, wie es funktionieren kann, wenngleich einigen nun Ablehnung und Abschiebung drohen.
 



 Um dieses heikle Thema drehte sich die anschließende, von Patrick Fritsch klug moderierte Podiumsdiskussion mit Bürgermeister Michael Geggus, VHS-Chefin Monika Burck, der Migrationsbeauftragten des Jobcenters, Britta Händel, und Ludwig Herfs vom Arbeitskreis Asyl. Alle waren sich darüber einig, dass sich Fleiß und Arbeitswille für jeden Flüchtling auszahlen sollten und dass hier die Politik gefordert ist.

Bleibt noch nachzutragen, dass an diesem Abend 193 Euro für die Bike-Docs gespendet wurden. Herzlichen Dank dafür!

Der Film „Angekommen in Baden-Baden – aus Flüchtlingen werden Mitbürger“ wird übrigens am Freitag, 13. Oktober, um 18 Uhr zusammen mit dem letztjährigen Film „Schatten“ von Abdullah Rajab Almalla und dem Kurzbeitrag „80 Quadratmeter Integration“ wiederholt, diesmal im Moviac. Eintritt frei, Kartenreservierung wird dringend empfohlen.

Außerdem wird der Film "Angekommen" in mehreren Sequenzen, nicht an einem Stück, auch beim Kiwanis-Familienfest am Sonntag, 24. September von 11 bis 17 Uhr in der Eventakademie zu sehen sein.